Versuch eines Anfangs

Ich habe früher schon oft und gerne Tagebuch geschrieben und auch bereits über längere Zeit ein Blog betrieben. Jedoch konnte ich mich noch nie dazu entschließen, offen und ehrlich über meine Persönlichkeit als Borderlinerin zu schreiben, zumal in unserer Gesellschaft Borderliner einen eher schlechten Ruf genießen und sich Betroffene deshalb nur ungern offenbaren. Ein Borderline-Syndrom wird von unwissenden Außenstehenden leider auch heute noch gerne über einen schlechten, zweifelhaften, schwierigen, streitbaren, unnahbaren Charakter erklärt oder gar als Wohlstands- und Zivilisationskrankheit unserer verwöhnten Gesellschaft lächerlich gemacht. Das ist sehr unschön und trifft auch auf keinen Fall zu.

Bei mir wurde diese Persönlichkeitsstörung bereits in jungen Jahren in den 90ern diagnostiziert. Während eines längeren stationären Aufenthalts in einer psychiatrischen Klinik. Damals offenbarte man mir nach tagelanger intensiver psychiatrischen Abklärung, dass ich von einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung betroffen bin.

Bereits zu diesem Zeitpunkt konnte ich auf eine ungewöhnlich bewegte, teilweise mit vielen Traumen belastende Vergangenheit zurückschauen, angefangen von meiner frühen Kindheit, über meine Jugend bis hin ins junge Erwachsenenalter. In diesem Blog werde ich auch hierzu immer mal wieder etwas schreiben. Denn diese Erlebnisse, Erinnerungen und Erfahrungen, bis hin zu frühkindlichen Traumen, haben mich schlussendlich ebenfalls zu dem gemacht, was ich schlussendlich geworden bin; ein Mensch mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung.

Ich selbst nehme die Borderline Persönlichkeitsstörung nicht unbedingt immer als Krankheit wahr, obwohl mir natürlich sehr wohl bewusst ist, dass es eine psychische Störung ist und dass sie eine breite, vielseitige psychische Symptomatik mit sich bringt, die teilweise mehr als nur belastend ist. Dennoch ist das Borderline Syndrom über die vielen Jahre auch ein Teil meiner komplexen Identität geworden, wurde also gewissermaßen zu einem Teil von mir. Sicherlich ist es denn mehr ein Fluch als ein Segen? Denn es bringt mich ja auch immer wieder in heillose, unwegsame und auswegslose, instabile, teilweise unberechenbare Spannungs-Situationen, die mich fast erschlagen und die ich alleine kaum mehr bewältigen kann. Ohne fremde, professionelle Hilfe klappt das dann oftmals nicht mehr. Das bezieht sich sowohl auf mein Denken, meine Gefühlswelt mit den immer wiederkehrenden Flashbacks, meinen Emotionen, wie auch den Handlungs-, Verhaltens- und Verarbeitungsweisen.

Vieles, was ich hier künftig erzählen werde, mag für außenstehende Menschen vielleicht nur schwer nachvollziehbar oder begreifbar sein. In diesem Blog wird es mir in Zukunft aber hoffentlich dennoch auch ein bisschen gelingen, für mehr Verständnis für Borderliner zu werben

In erster Linie soll mir dieser Blog aber auch als Tagebuch und direkte Hilfe, zur Verarbeitung meiner Vergangenheit und Gegenwart dienen. Nicht zuletzt erhoffe ich mir davon einen kleinen therapeutischen Nutzen – und dass mir das Schreiben hier persönlich etwas bringen wird. Das wäre schön.

Erst einmal verbleibe ich mit einem freundlichem Gruß,
Ruby

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