Zwölf Wochen Erprobungsphase

Oh, wie überaus ätzend. Diese Woche hat mich die Tante von der Stationsanmeldung angerufen und meinen Aufnahmetermin für das zweite stationäre DBT Modul um weitere zwei Wochen verschoben. Anstatt am 14. Juni wird meine Aufnahme nun erst am 28. Juni sein. Das wirft mich gerade ziemlich aus der Spur.

Ich neige leider dazu, immer perfekt sein zu wollen. Auch neige ich dazu, immer alles selber kontrollieren zu wollen. Eigentlich hätte ich morgen bereits mein Aufnahmetermin gehabt. Denn dann liegen zwischen dem ersten und zweiten Modul genau die acht Wochen, die laut Therapiekonzept zwischen den Modulen als Erprobungsphase vorgesehen sind. Bei mir wachsen nun die acht Wochen Erprobungsphase aufgrund der chaotischen Terminvergabe der Station S1 der Karl Jaspers Klinik in Wehnen auf 12 Wochen an. Das will mir einfach nicht in den Kopf. Erst hat man mir diesen Termin am 14. Juni angeboten, der ja auch schon zwei Wochen später ist, als ich eigentlich vorgesehen hätte sein müssen. Und nun wird mein Termin nochmals um zwei Wochen verschoben.

Acht Wochen Erprobungsphase zwischen den Modulen sind mehr als genug. Und nun wird mir einfach noch ein Monat mehr aufs Auge gedrückt. Ich spüre schon wieder den Sog der Abwärtsspirale. Acht Wochen habe ich euphorisch den Gipfel eines Berges erklommen. Und hinterm Berg gerate ich nun beim Abstieg ins rutschen. Ich fühle mich einem weiteren Monat nun gar nicht mehr gewachsen. Ich bin dafür noch viel zu wenig stabil. Und ehrlich gesagt sind mir solche zwölfwöchigen Erprobungsphasen zwischen den Modulen auch einfach viel zu lange. Meiner Meinung nach können die Module nach so langer Wartezeit gar nicht mehr richtig ineinander greifen.

Es ärgert mich, dass ich quasi um einen ganzen Monat versetzt wurde. Ich rechne mir bereits aus, wie viele andere Patienten in dieser Zeit an mir vorbeigeschleust werden, wie viele Menschen vor mich gesetzt wurden. Ich frage mich auch schon wieder, ob das alles ein Grund haben könnte. Ich komme mir versetzt vor. Wahrscheinlich sollte ich einen Realitätscheck machen, um zu überprüfen, ob das wirklich sein kann. Und diese Realitätsüberprüfung würde mir dann sagen, dass es wahrscheinlich rein organisatorische Gründe gibt, weshalb mein Termin nun so weit nach hinten rutscht. Aber ganz ehrlich, auch dann wär ich noch nicht vollständig sicher, dass es nicht doch etwas mit mir zu tun haben könnte.

Leider gibt es bei mir in der Gegend keine andere Klinik, die für Borderliner DBT anbietet. Vieleicht wär es in der psychiatrischen Klinik in Norden möglich. Aber die Klinik ist für mich noch weiter weg. Es kommt mir ein bisschen so vor, als ob mir der Teppich unter den Füßen weggezogen wird. Am liebsten würde ich mich dieser Situation nun komplett entziehen. Einfach aufgeben. Weil mir alles wieder ein bisschen zu viel wird. Dabei wäre es eigentlich jetzt an der Zeit zu skillen, zu akzeptieren und es auszuhalten.

Ich fühle mich plötzlich wieder so schwach. Schwach und unsicher. Alles was ich beginne, zieht sich irgendwann immer wie Kaugummi. Wieso kann es bei mir nicht auch mal einfach rund laufen? Immer scheine ich im Leben die A-Karte zu ziehen. Das sind nicht einfach nur igendwelche dysfunktionale Grundannahmen oder Glaubenssätze. Das ist leider auch wirklich so. Das muss bei mir so ein bescheuertes Karma-Ding sein. Abgebrühte, DBT erfahrene Borderline-Persönlichkeiten würden mir viellecht jetzt raten, den weiteren Monat einfach annehmend als Übungsfeld zu nutzen. Wenn das nur mal so einfach wär. Das frustriert mich sehr.

An meinen Postings hier in meinem Blog kann man sicherlich erkennen, dass ich von DBT als Therapieform ziemlich begeistert bin. Mittlerweile habe ich erkannt, dass mir diese Therapie wirklich gut bekommt.

Was ich aber absolut nicht ab kann, ist diese Unzuverlässigkeit bei der Terminvergabe. Das wirft einen komischen Schatten auf die DBT-Station und das Therapiekonzept mit den achtwöchigen Erprobungsphasen. Man muss sich doch als Patient auf so ein Konzept verlassen können.

Schlussendlich hat mich dieses erneuerliche Verschieben meines Aufnahmetermins richtig aus der Spur geworfen und entsprechend aufgewühlt. Jetzt merke ich erst wieder, wie anfällig und labil ich im Grunde genommen noch bin. Ich habe es diese Woche noch nicht einmal mehr geschafft, meine Termine wahr zu nehmen. Irgendwie bin ich ganz schön abgestürzt; emotional, körperlich und selbstschädigend. Auch das zeigt mir, dass mir persönlich die vom Therapiekonzept vorgesehenen acht Wochen Erprobungsphase mehr als genug sind. Mehr schaffe ich derzeit nicht, ohne nicht wieder irgendwelche Rückschritte dabei zu machen. Jetzt wäre der Zeitpunkt einer stationären Auffrischung genau richtig.

Und nun haben die auf Station meinen Aufnahmetermin um insgesamt vier Wochen nach hinten geschoben und damit gleichzeitig auch meine achtwöchige Erprobungsphase auf zwölf Wochen verlängert. Ja? Was erwartet man denn von einer Anfängerin wie mir? Dass ich nun jubelnd vor Freude ums Sechseck springe? Oder soll ich mich für die zusätzlichen vier Wochen gar höflich bedanken? Ich fühle mich zwölf Wochen Erprobungsphase einfach noch nicht gewachsen. Ich sehe, dass ich wieder Gefahr laufe, in alte Muster zu fallen. Leider bin oder handle ich nicht immer sehr erwachsen. Und in therapeutischen Dingen fühle ich mich sowieso wie ein Kind, das erst laufen lernt.

Kurzzeitig habe ich die Tage auch schon überlegt, die Therapie nun einfach ganz zu schmeißen. Aber was dann? Ich wohne ja im tiefsten Ostfriesland. Hier wird man nicht so schnell mit anderen Angeboten überhäuft. Von dem her bin ich wohl leider von der Karl Jaspers Klinik abhängig.

Ich muss nun gucken, dass ich wieder den Faden finde und dort anknüpfen kann. Ich sollte meinen Blick vielleicht einfach wieder stur auf DBT richten. Ich darf mich nicht wieder von meiner Borderline-Persönlichkeit in die Kralle nehmen lassen. Vielleicht hilft mir ja auch mein Blog, um wieder ein bisschen zurück zu mir zu finden.

Sorry wegen diesem Jammerposting hier…

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