Skillgruppe, Alpträume und andere Gedanken

Seit einiger Zeit besuche ich ja nun schon die ambulante Skillgruppe, die für Borderlinerinnen in der Psychiatrie meiner Gegend angeboten wird. Ich glaube, ich habe hier im Blog schon mal darüber berichtet. Ich schreibe einfach nochmals ein bisschen was dazu.

Mit „Skills“ sind Fertigkeiten gemeint. Auf der Basis der dialektisch-Behavior-Therapie (DBT) lernen wir dort anhand verschiedener Modulblöcken Fertigkeiten, die es uns Borderlinern ermöglichen sollten, unser Leben vielleicht ein bisschen entspannter, ruhiger, leichter und stimmiger leben zu lernen. Fünf Module werden angeboten: Grundlagen und Achtsamkeit, Selbstwert, Stresstoleranz, Umgang mit Gefühlen und zwischenmenschliche Fertigkeiten.

Nur schon der Besuch dieser Skillgruppe stellt für mich eine große Herausforderung dar. Denn bei meiner sozial Phobie, meinem sozialen Rückzug in meine selbst verursachte Isolation und meinem dazugehörenden Mangel an zwischenmenschlichen Fertigkeiten, fehlt es mir schlichtweg an Übung, überhaupt irgendeine Gruppe zu besuchen, egal was es nun ist. Schon zwei, drei Tage vor der Skillgruppe nimmt bei mir die innere Anspannung und der Druck immer mehr zu. Nach und nach baut sich ein richtiges Stressgefühl in mir auf. Subtile Ängste und Unsicherheiten stoßen dazu. Zuweilen wirkt sich das auf meinen ganzen Körper aus. Ich bekomme dann nervöses Augenzucken, Tinitus, mein Kopf fühlt sich an, als ob er vor lauter Druck gleich platzen könnte. Und all die Symptome werden begleitet von einem empfindlichen Reizmagen und Reizdarm. Teilweise macht mich das richtig fertig. Es fühlt sich an, als ob ich wirklich krank wär.  Und ein Gefühl der Überforderung gesellt sich dazu.

Beim Modul Achtsamkeit habe ich einige Übungen gelernt, die unter anderem nützlich dafür sind, sich konzentriert, effektiv und relativ schnell wieder ins „Hier und Jetzt„ herunter zu holen. Einige Übungen helfen mir teilweise wirklich recht gut. Zumindest, um kurzfristig wieder voll und ganz auf dem Teppich zu landen. Komischerweise sind das manchmal auch ganz banale Dinge, wie zum Beispiel das Runterzählen von 100 auf 0. Darauf reagiert mein Gehirn recht dankbar. Schnell befinde ich mich voll konzentriert in den Zahlen und denke an nichts mehr anderes. Und wenn sich doch mal ein Gedanke heran schleicht, lächelt man ihn kurz ohne zu bewerten an und lässt ihn, einer Wolke gleich, weiter ziehen…

Auch ganz praktische, einfache Körperskills, wie zum Beispiel ein strammes Gummiband am Handgelenk, das ich flitschen lassen kann, hilft mir manchmal, meine teilweise ziemlich anstrengende, angespannte Gefühlswelt ein bisschen aufzulockern. Ich wende aber auch ganz andere Körperskills an. Dafür bin ich wohl ziemlich empfänglich. Das lässt mich hoffen, dass bei mir Skillen ganz allgemein recht gut anschlagen wird. In der Skillgruppe haben wir eine riesen lange Skillliste bekommen. Zahlreiche Anregungen und Ideen werden aufgezählt. Ich habe mir persönlich bereits eine kleine Skillkette für Hochspannungssituationen zusammengestellt. Mehrere Skills, die ich hintereinander abspulen kann. Ich versuche mich in der Praxis, jedoch noch nicht immer erfolgreich. Einfach weiter üben….

Wenn ich mich zum Beispiel aber wieder einmal innerlich richtig leer fühle, wie eine leere, wertlose Hülle, eine lebende Tote, nutzlos, überflüssig, depressiv, asozial und beziehungsgestört, teilweise kaum mehr fähig, überhaupt noch vernünftige Gefühle zu verspüren, weder zum eigenen Körper, noch zu mir selbst, geschweige denn zu Anderen, mit all dieser Leere überfordert, ausgelaugt, ausgezerrt und ausgebrannt, seelisch einfach nur noch kalt, dunkel und leer. Dann hilft mir auch kein Skillen mehr. Wahrscheinlich habe ich dafür dann jeweils bereits den richtigen Zeitpunkt verpasst. Dieses Gefühl der Leere schlägt leider auch schnell in ganz düstere, dunkle Gedanken um, die mir zu flüstern, mich besser komplett von dieser Welt zu machen. Das sind dann sehr bedrückende, unberechenbare Momente. Dafür habe ich bisher noch keine wirksamen Skills.

Je näher das Datum des Skillgruppen Termin jeweils heran rückt, je nervöser werde ich. Manchmal überkommen mich spitz ausschlagende Angst- und Panikattacken. Ich muss mich dann richtiggehend zusammenreißen. Gegen diese panischen Gefühlsausschläge kämpfe ich jeweils. Sehr unangenehm, sehr anstrengend. Und dazu einen dicken Knoten im Bauch. Ich muss mir dann immer und immer wieder einreden, dass es dazu keinen Anlass gibt. Und dass mir die Skillgruppe ja schlussendlich auch helfen wird, mit solchen Situation irgendwann besser umgehen zu lernen.

Ohne mir selbst nicht beständig gut zuzureden, packe ich den Termin nicht. Dann würde es unweigerlich zu Fehlstunden kommen. Zusätzlich bekomme ich auch sanften Druck von meinem Mann. Es ist ihm unheimlich wichtig, dass ich die Gruppe besuche. Meist fährt er mich mit dem Auto in die Klinik, geht dann in der großen Parkanlage mit unserem kleinen Hundchen spazieren und kommt wieder zurück, wenn die zwei Stunden vorüber sind. Ich bin gesegnet mit diesem Mann. Nach jeder Skillgruppe bin ich für gewöhnlich ziemlich stolz auf mich. Nur schon, dass ich wieder dort gewesen bin, dass ich es wieder einmal geschafft habe, macht mich stolz. Für einen geistig unbelasteten Menschen ist das vielleicht nichts besonderes. Für mich aber schon.

Trotz der anfänglichen Achtsamkeits-Übungen, die wir jeweils zu Beginn der Skillgruppen Stunden machen, muss ich mich doch ziemlich angestrengt konzentrieren, damit meine Gedanken während den zwei Stunden der Skillgruppe nicht irgendwo in ein anderes Nirvana entschwindet. Diese Neigung habe ich leider. Meist versuche ich alles mitzuschreiben, was die Therapeutin an die Tafel schreibt. Das hilft mir, mich besser konzentrieren zu können und es vielleicht auch besser aufzunehmen. In der Gruppe fühle ich mich immer noch ziemlich unsicher, zurückhaltend, leicht gehemmt. Wenn ich unsicher und gehemmt bin, muss ich nur meinen Mund zum sprechen aufmachen. Und schon ist eine Hitzewallung da. Ich weiß nicht, ob das irgend etwas mit Scham zu tun hat. Manchmal fühlt es sich so an.

Ich hoffe, dass sich meine Angst, Aufregung und Unsicherheit nun von Mal zu Mal ein bisschen mehr legen wird. Alle in der Gruppe sind eigentlich super nett. Im Kontakt mit anderen Borderlinerinnen habe ich häufig das Gefühl, dass man sich irgendwie erkennt und recht gut weiß, wie man miteinander umgehen könnte. Borderliner sind in der Regel sehr sensible und oftmals auch hilfsbereite Menschen. Es ist also nicht immer alles einfach nur negativ bei uns.

Bei Amazon habe ich mir letzthin ein Therapeuten-Manual mit dem Titel „interaktives Skillstraining für Borderline-Patienten“ gekauft. Dazu erhielt ich ein interaktives Computer Programm für Patienten. Dieses interaktive Skillstraining Programm für Patienten werde ich mir parallel zu meiner ambulanten Skillgruppe durcharbeiten. Das kann mir zusätzlich nur von Nutzen sein! Ich hoffe, dass dann auch ein bisschen mehr von hängen bleibt. Ich will möglichst viel in mich aufsaugen und möglichst viel davon verinnerlichen.

Im dem Therapeuten Manual habe ich mich von 440 Seiten bisher erst bis zur Seite 27 vor gelesen. Wie der Name schon sagt, ist das Therapeuten Manual eher für Therapeuten und weniger für Patienten gedacht. Nur schon beim Lesen scheinen meine Gefühle heftigst Karussell zu fahren. Teilweise fühle ich mich von einzelnen Therapeuten Empfehlungen sogar getriggert. Wie durchschaut. Voller Schamgefühl. Ich weiß noch nicht, ob ich das Buch zu Ende lesen soll. Ob ein solches Manual überhaupt gut für mich ist? Keine Ahnung.

Ein ähnliches, teilweise ebenfalls sehr beschämendes Gefühl überkommt mich manchmal, wenn ich im Borderline Forum, in dem ich angemeldet bin, im Angehörigen-Forum mitlese. Die Erfahrungen der Angehörigen sind häufig wie ein Spiegel oder ein Déjà-vu Erlebnis, bei dem ich mich oft nur allzu deutlich erkenne. Es fühlt sich dann ein bisschen so an, als ob man entlarvt worden wäre, obwohl man ja in diesen Forenbeiträgen eigentlich gar nicht gemeint war. Oft sehe ich dann aber auch einfach nur noch das Monster in mir. Das ist dann eine ziemlich harte Erkenntnis.

Hin und wieder werden Angehörige in diesem Forum darauf aufmerksam gemacht, wie sie typische Borderline Manipulationen erkennen können. Auch dann fühle mich jeweils wie ertappt. Dabei nehme ich Manipulationsversuche meinerseits eigentlich kaum bewusst als solche wahr. Denn das läuft bei mir ziemlich nebenbei, nach meiner ganz eigenen Logik. Meist ohne mir überhaupt direkt bewusst zu sein, dass ich jetzt am manipulieren bin. Nur im Nachhinein, wenn ich mich gescheit reflektiere, nehme ich die unbewussten Manipulationsversuche richtig wahr. Mein Mann unterstellt mir nicht selten, ihn manipulieren zu wollen. Manchmal macht er mich direkt darauf aufmerksam. Früher führte das immer zum Streit. Mittlerweile kann ich ihn ein bisschen besser verstehen.

Bei der Therapeutin, die unsere Skillgruppe leitet, kann ich bei Bedarf auch Einzeltherapiegespräche wahr nehmen. Ein Bedarf verspüre ich irgendwie eigentlich immer. Ich muss an mir arbeiten, mich verändern, selbstständiger und selbstbewusster werden, muss lernen, für mich selbst mehr Verantwortung zu übernehmen. Ohne meinen Mann wäre ich ja gar nicht lebensfähig. Ich muss endlich lernen, wie ich aus dieser Abhängigkeit auf gesunde Art und Weise wieder heraus komme. Ohne, dass darunter die Beziehung leidet. Damit mein Mann in Zukunft auch wieder mal ein bisschen mehr Luft zum atmen bekommt. Er meinte schon mal, dass ich offensichtlich seine Lebensaufgabe wäre. Das kann sicherlich auch zur Last werden. Und lästig werden will ich ihm auf keinen Fall.

Wenn es um meine begleitende Medikamentation geht, wird man von der hauseigenen Psychiaterin der Klinik beraten. Eigentlich alles ganz gut für mich. Ich mag es, wenn alles unter einem Dach ist. Das beruhigt mich. Es wirkt auf mich entspannender, je weniger kompliziert es ist. Auch habe ich das Gefühl, dass ich von all diesen netten Menschen, ob Psychologin, Psychiaterin oder Sekretariat sehr vertraut und nett behandelt werde. Ich fühle mich dadurch ein bisschen aufgehobener. Ich brauche das Gefühl, erst Vertrauen entwickeln zu dürfen, bevor ich mich überhaupt gescheit anvertrauen kann.

An Psychopharmaka nehme ich derzeit täglich das Neuroleptikum Quetiapin, 300mg, beziehungsweise alle 8 Stunden eine 100mg Tablette und als Antidepressivum bekomme ich 30mg Mirtazapin. Mirtazapin hat mir bisher erfolgreich geholfen, meine zuvor alltäglich latente Suizidalität besser in den Hintergrund zu drängen. Die Pillchen verdrängen diese dunklen, düsteren Gedanken in die hinterste Ecke meines Gehirns. Und die Depressionen sind dadurch ebenfalls ein bisschen erträglicher geworden. Und das Neuroleptikum hält mich ein bisschen stabiler, macht mich von meinen Emotionen her ein bisschen ruhiger, vielleicht auch belastbarer. Dadurch wirke ich vielleicht auch einiges berechenbarer.

Als Bedarfsmedikament bekomme ich das Neuroleptikum Promethazin, bis 100mg. Wenn ich also mal ein bisschen mehr am Rad drehe, oder wieder einmal nicht mehr aus meinen Gedankenkreisen heraus komme, kann ich diesen Bedarf nehmen. Und wenn ich Nachts nicht einschlafen kann, nehme ich mir auf die Nacht meist nochmals eine zusätzliche Quetiapin. Dazu hat mir mein Hausarzt geraten. Meinen Hausarzt habe ich richtig genial und passend für mich ausgewählt. Nebst Hausarzt und Internist, ist er auch Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Das ist wirklich sehr praktisch für mich. Ihm ist nichts fremd. Ich brauche mich nicht groß zu erklären, fühle mich bei ihm richtig gut aufgehoben. Weshalb soll ein blindes Huhn wie ich nicht auch mal ein Korn finden? Weshalb auch nicht?

Mein letzter Hausarzt war dagegen sehr abweisend zu mir. Er konnte mit psychisch belastenden oder kranken Menschen nicht so gut umgehen. Oftmals hat er die Geduld mit mir verloren. Zum Schluss war unser Verhältnis nur noch gestört und angespannt. Teilweise hat er mich dann vollkommen aus der Fassung gebracht. Richtig schlechte Gefühle hatte ich jeweils in mir. Irgendwann habe ich ihn nur noch verachtet. Teilweise bin ich dann im Gespräch sehr abwertend zu ihm geworden, habe ihn verbal ziemlich scharf und barsch angegriffen, sein Reden unterbrochen und ihn auch nicht mehr ausreden lassen. Teilweise war ich richtig paranoid, hatte das Gefühl, dass er was gegen mich im Schilde führt. Ganz merkwürdige, äußerst real wirkende Gefühle. Als ich dann auch noch eine Kopie meiner Patientenakte verlangte, kam es zum vollständigen Eklat. Danach war gar kein Gespräch mehr möglich. Es ging nicht mehr. Ich bin dann nur noch in angstvolle Starre verfallen. Absolut das Gegenteil von wehrhaft. Ich habe mich vollkommen wehrlos ausgeliefert gefühlt. Zu ihm hätte ich nie mehr zurück gekonnt. Zu viel verbrannte Erde liegt dazwischen. Mein jetziger Hausarzt ist besser für mich. Bei ihm fühle ich mich nicht ganz so fremd.

Wenn ich mit meiner Therapeutin jeweils spreche, denke ich mir oft, wie unser Gespräch wohl verlaufen würde, wenn ich ganz ohne meine Medikamente wäre. Oft habe ich das Gefühl, dass mich die Medikamente künstlich zu einem Menschen machen, der ich eigentlich gar nicht bin. Auch die Höhen und Tiefen meiner Gefühle wurden quasi ihrer Spitzen beraubt. Dadurch mag ich wohl auf meine Umwelt stabiler wirken, als zuvor. Aber ich frage mich dann auch, ob und wie sich das zum Beispiel insgesamt auf eine Therapie auswirkt? Gebe ich mit den Medikamenten nicht ein vollständig anderes, ruhig gestelltes oder sogar verzerrtes Bild von mir ab? Mein Ziel ist es, irgendwann wieder frei von Psychopharmakas zu leben.

Marsha M. Linehan, die die DBT konzipierte, sagte in einem Zitat: „Der Grund, warum die Behandlung „Dialektische Behaviorale Therapie (DBT)“ genannt wird, ist, weil sie die Synthese der Akzeptanz und der Veränderung gleichzeitig beinhaltet.“

Das Zitat stammte aus einem Vortrag von Marsha M. Linehan, den sie vor anderen Psychotherapeuten Kollegen abgehalten hat.

Beim Akzeptieren geht es wohl um das Akzeptieren, der Vergangenheit, bis hin zu vergangenen, erlebten, seelischen Traumen, die unter Borderliner ja oft nicht ungewöhnlich sind. All diese gemachten Erfahrungen lassen sich nachträglich nicht mehr rückgängig machen. Man soll diese Erfahrungen nicht wie ein schweres Paket hinter sich her schleppen, sondern sie besser endlich akzeptieren. All diese teilweise traumatischen Erfahrungen haben uns zwar geprägt. Aber die Prägung, lässt sich eben auch verändern, wenn man die dazu nötigen Veränderungen für sich zulässt. Vielleicht über ein achtsameres Leben? So würde ich den Satz von Marsha M. Linehan in etwa deuten. Ich weiß es aber schlussendlich nicht. Es ist nur meine ganz eigene Interpretation.

Vielleicht geht es auch um das Akzeptieren seines „Anders-sein“. Das macht es vielleicht auch irgendwann möglich, die vorhandenen positiven Eigenschaften, die in jedem von uns schlummern, zu entdecken. Das vielleicht zur Erkenntnis führen kann, dass man nicht nur fremd und andersartig ist, sondern sich in einem positiven Kontext auch als etwas ganz Besonderes betrachten darf.

Borderliner bewerten sich selbst oft sehr negativ. Ab uns zu auch richtiggehend selbstabwertend. Ich habe oft das Gefühl, überflüssig zu sein, selbst schuld an meinen verkorksten Leben zu sein, an meinem ganzen Leid, an meiner Krankheit. Von Jahr zu Jahr habe ich mich tiefer ins Abseits gestellt. Selbst schuld! Immer wieder zu versagen, nichts Wert zu sein, nicht dazu zugehören, sich einfach nur fremd- oder abartig fühlen, ein Monster zu sein. Sich nicht mehr richtig zu fühlen, vollkommen entleert. Nichts will mir gelingen. Ich falle ja sowieso immer wieder aufs Maul. Ich bin eine absolute Loserin.

Alles Grundannahmen, die während des Lebens zu meinen festgefahrenen Glaubenssätze geworden sind. Sie sind leider sehr stark, dunkel, pessimistisch, teilweise abwertend und ziemlich festgefahren, teilweise tief in mir verankert. Oftmals sehe ich nur noch schwarz und weiß. Dazwischen gibt es nichts mehr.

Und um was es bei „Veränderung“ in dem Zitat geht, spricht ja für sich selbst. DBT basiert unter anderem auf der kognitiven Verhaltenstherapie. Marsha M. Linehan hat sich bei der Entwicklung dieser Therapieform aber auch vom Zen-Meister Willigis Jäger Inspiration geholt. Willigis Jäger ist ein deutscher Benediktinermönch, Zen-Meister und Mystiker, eine faszinierende Persönlichkeit.

DBT ist aber natürlich keine spirituelle oder gar religiöse Therapieform. Die würde wohl als solche bei vielen Borderlinern gar nicht wirklich gut ankommen. Die Therapie umfasst aber wohl dennoch einige Zen Elemente. Zum Beispiel Achtsamkeit Fertigkeiten. Auch im Zen gibt es solche Achtsamkeits Fertigkeiten. Meist aber mit einem eher kontemplativen, meditativen Charakter. Ich glaube, auch das Verstehen ums Wahrnehmen, Beschreiben und Teilnehmen, und wie das geht, voll konzentriert, zum wirksamsten Zeitpunkt, ohne es zu bewerten. Das klingt für mich ebenfalls ein bisschen nach Zen. Kann mich aber auch irren. Ich werde mich wohl über DBT noch ein bisschen schlauer machen müssen. Diese Verhaltenstherapie spricht mich jedenfalls sehr an. Die Skillgruppe tut mir, trotz all meiner Ängste und Unsicherheiten, ziemlich gut. Es ist wie praxisorientierte Schule, in der Borderliner fürs Leben wichtige Fertigkeiten erlernen, die ihnen das Leben künftig ein bisschen leichter machen.

Ich würde aber dennoch auch gerne noch ein bisschen tiefer zum Ursprung zurück, zur Wurzel meiner vielen und offenbar unverarbeiteten Traumen. Ich kann zwar akzeptieren, dass ehemals gemachte Erfahrungen nicht mehr rückgängig gemacht werden können, dennoch kann ich nicht einfach darüber hinweg sehen. Immer wieder holen mich Flashbacks aus meiner Vergangenheit ein. Skillen alleine hilft mir dann nicht. Ich würde mir deshalb auch viel von einer Psychotherapie versprechen, die bis tief zur Wurzel geht. Wenn ich nur mal eine Nacht ohne Alpträume verbringen könnte, hätte sich der zusätzlich therapeutische Aufwand für mich gelohnt. Oh wie sehr wünsche ich mir das.

Jede Nacht werde ich von Alpträumen verfolgt. Förmlich von ihnen durch die dunkle Nacht getrieben. Daran haben auch all die Medikamente, die ich nehme, nichts verändert. Meist schlafe ich nur in zwei Stunden Etappen. Dazwischen bleibe ich immer für einige Zeit wach und muss meine Gedanken nach all der Träumerei wieder ordnen. Manchmal fällt mir das richtig schwer. Dann rauche ich eine Zigarette, um ein bisschen besser runter zu kommen. Oft werde ich durch Alpträume regelrecht aus dem Schlaf gerissen,  schweißnass, manchmal auch während ich noch bitterlich am weinen bin. Das fühlt sich überaus verstörend, schwer und belastend an. Auch bei den folgenden Schlafetappen träume ich weiter. Nie was schönes, immer nur verwirrende, beängstigende Dinge. Und die Gefühle dazu fühlen sich immer so echt an. Manchmal bin ich regelrecht froh, die Nacht überstanden zu haben. Zeitweise begleiten mich die Gefühle dieser Alpträume bis in den Tag hinein. Das kann nicht richtig und nicht gesund sein. Wie bekomme ich das nur weg?

Ich wüsste gerne, woher das kommt. Ich wünsche mir einen friedlichen Schlaf, wie normale Menschen ihn haben. Das wünsche ich mir so sehr. Ich suche auch bereits nach einem zusätzlichen Therapeuten, der mit mir mein Leben noch ein bisschen intensiver aufarbeiten wird. Diese Alpträume haben bereits während meiner Kindheit begonnen. Und ich bin sie nie mehr los geworden. Jedenfalls nicht, ohne mich mit Drogen zu betäuben. Drogen jedoch legen mir auch immer wieder meine Suchtproblematik vor die Füße. Davon sollte ich mich also besser distanzieren. Das lass ich lieber. Kommt derzeit nicht so gut. Verträgt sich nicht mit Therapie. Und sowieso…, das könnte dann auch schnell wieder im Fiasko Enden. Über meine latentes Drogenprobleme schreibe ich vielleicht irgendwann etwas. Aber nicht heute. Derzeit will ich lieber frei von solchen Gedanken sein.

Die DBT Skillgruppe werde ich jedenfalls weiterhin besuchen. Später mach ich vielleicht auch noch die dreimonatige, stationäre DBT, die in der gleichen Klinik angeboten wird. Einfach, um das Gelernte nochmals richtig zu vertiefen. Mit DBT will ich wieder fit fürs Leben werden. Mal schauen, ob mir das alles gelingen wird.

Ich muss mir einfach immer wieder einreden, dass ich das irgendwie und irgendwann schaffen kann.

Lieben Gruß
Ruby

 

Dieser Beitrag wurde unter Mein Leben abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.