Tagesstätten Platz

Vor zwei Tagen hatte ich beim Sozialamt ein Hilfeplangespräch bezüglich meines Antrags auf Wiedereingliederung. Es ging dabei nicht um eine Wiedereingliederung im Arbeitsmarkt, sondern um einen Platz in der Tagesstätte in Aurich, von welcher das Sozialamt der Kostenträger ist. Bei dem Hilfeplangespräch waren seitens des Amtes vier Personen anwesend. Eine Sozialpädagogin, eine Beamtin vom Sozialamt, jemand vom Gesundheitsamt und jemand vom sozialpsychiatrischen Dienst. Zu meiner Unterstützung hatte ich meinen Mann und ein Betreuer von der Tagesstätte mit dabei. Ich war hyper nervös und total angespannt. Denn von dem Hilfeplangespräch hing davon ab, ob ich vom Amt her überhaupt einen Platz in der Tagesstätte zugesprochen bekomme. Denn so ein Platz kostet das Sozialamt monatlich ungefähr 1000 Euro.

Während dem ganzen Gespräch habe ich mit meinem Akupressur-Igelball aus Metall geskillt. Die Sozialpädagogin leitete das Gespräch. Mir wurden viele persönliche Fragen gestellt. Meine ganzen Antworten waren offenbar zufriedenstellend. Denn am Ende des Gesprächs teilte man mir mit, dass sie den regelmäßigen Besuch in einer Tagesstätte befürworten. Mir fiel regelrecht ein Stein vom Herzen.

Bereits vor einigen Wochen habe ich einige Schnuppertage in der Auricher Tagesstätte absolviert. Die Betreuer dort sind super lieb. Auch die anderen Tagesstättenbesucher waren überaus herzlich zu mir und haben mich gut aufgenommen. Es gibt sogar einen Abhol- und Bringdienst. Ich wurde quasi direkt vor meiner Haustür abgeholt und zurück gebracht. Total praktisch. Frühstück und Mittagessen bekommen wir in der Tagesstätte. Kochen tun wir dort selbst. Es gibt dort verschiedene Aktivitäten, die man wahr nehmen kann. Theatergruppe, Holzwerkstatt, Filzwerkstatt, Küche und andere kreativen Aktivitäten. Man wird jedoch zu nichts gezwungen. Nebst her übernimmt auch jeder dort irgendwelche kleine, tägliche Dienste, die man erledigen muss.

Der Besuch in der Tagesstätte ist für mich ein kleiner Schritt, wieder ein bisschen am Leben teilzunehmen. Sozusagen ein sozial-gesellschaftlicher Wiedereinstieg, aus dem ich mich wieder ein Stück weit mehr aus meiner sozialen Isolation befreie. Denn meine Borderline Erkrankung hat dazu geführt, dass ich mich von Jahr zu Jahr sozial immer weiter isoliert habe. Teilweise ist daraus eine regelrechte Sozialphobie entstanden, eine Angst vor anderen Mitmenschen. Das führte dazu, dass mir vor lauter Angst und Panik selbst ein Kaffee-Besuch oder ein Einkauf im Supermarkt buchstäblich Schweißperlen auf die Stirn treibt. In der Tagesstätte habe ich künftig das optimale Übungsfeld, um den Umgang im zwischenmenschlichen Bereich wieder zu üben. Außerdem verhilft mir der Besuch in der Tagesstätte auch wieder zu einer vernünftigen Tagesstruktur. Voraussichtlich werde ich im Januar 2018 in der Tagesstätte beginnen. Ein bisschen freue ich mich sogar darauf.

Vom Versorgungsamt her habe ich derweilen einen Schwerstbehinderten-Ausweis mit einem Grad der Behinderung von 80 ausgestellt bekommen. Dieser hohe Behinderungsgrad kommt jedoch nicht alleine aufgrund meine Borderline-Erkrankung zustande, sondern setzt sich aus einer Vielzahl von Diagnosen zusammen. Für die Borderline-Erkrankung selbst bekommt man in der Regel einen GdB zwischen 30 bis 50 zugesprochen. Ehrlich gesagt komme ich mir aber gar nicht so schwerstbehindert vor. Vielmehr ist es einfach nur eine amtliche Anerkennung auf meine Handicaps.

So, nun muss ich noch ein bisschen was im Haushalt machen und dann bald schon wieder kochen. Heute gibt es bei uns frische Pfifferlinge mit Süßkartoffeln. Darauf freue ich mich schon sehr.

Mit lieben Gruß
Ruby

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