Lebenszeichen aus der Klinik

Mittlerweile habe ich mich wieder richtig gut in der Klinik eingelebt. Meine Ängste und Unsicherheiten halten sich nun einigermaßen im Zaum. Sie sind zwar noch da, halten sich aber in Grenzen.

Ich befinde mich derzeit in der dritten Therapiewoche meines zweiten stationären DBT-Moduls. Nächste Woche, am Mittwoch, werde ich bereits wieder entlassen. Die dialektisch-Behaviorale Therapie ist mein Ding. Ich lerne unheimlich viele nützliche Dinge und versuche so viel wie möglich für mich mitzunehmen.

Derzeit bearbeiten wir während den Skillsgruppen das Modul „Umgang mit Gefühlen“. Ein sehr schwieriges Thema. Oft geht es um Glaubenssätze und Grundannahmen der Vergangenheit, die mein Leben leider immer noch weitgehend mitbestimmen, obwohl sie für mich in der jetzigen Gegenwart nicht immer sinnvoll sind. Ich lerne sie nun langsam immer besser zu erkennen. Hilfreich dabei ist entgegengesetzte Wahrnehmung, entgegengesetztes Denken, entgegengesetzte Körperhaltung und entgegengesetztes Handeln.

Mit meinen anderen Mitpatienten komme ich, wider meiner Erwartung, ganz gut klar. Manchmal geht mir jedoch die Landschulheim Atmosphäre auf den Geist. Dann wird mir alles zu viel. Ich ziehe mich dann gerne zurück. Sicherlich kann das nicht jeder meiner Mitpatienten verstehen, wie ich zuweilen an den Reaktionen zu erkennen meine. Vielleicht ist das aber auch nur Einbildung. Dafür konzentriere ich mich aufs Wesentliche, die Therapie. Deswegen bin ich ja schließlich auch in der Klinik und nicht, weil es mir hier so viel Spaß macht.

Vom Team werde ich aufgrund meiner eigenen Mitarbeit oft gelobt. Leider kann ich mit Lob nur sehr schlecht umgehen. Lob löst bei mir fast das gleiche Schamgefühl aus, wie wenn ich einen Fehler mache oder irgendwie ins Fettnäpfchen trete. Ich kann auch nur wenig Stolz empfinden, wenn ich gelobt werde. Vielmehr ist es mir eher unangenehm. Mein kleiner Hang zum Perfektionismus sorgt dafür, dass ich nie endgültig mit mir zufrieden bin. Mir fehlt es wohl auch an Selbstwertgefühl. Dieses Manko wird bei meinem nächsten DBT-Klinikaufenthalt erst richtig bearbeitet werden. Dann ist das Modul „Selbstwert“ dran.

Wie gesagt, während dem jetzigen Aufenthalt wird das Augenmerk eher auf das Modul „Umgang mit Gefühlen“ stehen. Und auch auf „zwischenmenschliche Fertigkeiten“, bei denen wir bereits intensiv das Validieren im Gespräch mit anderen und mit sich selbst geübt haben. Validieren ist ein wertschätzender Umgang im Gespräch, bei der man seinem Gegenüber zu verstehen gibt, dass man seine subjektive Sichtweise nachvollziehen kann, ohne aber seine Sichtweise unbedingt zu übernehmen. Man sendet dabei auch häufig Ich-Botschaften aus. Ein Gespräch läuft dann weniger Gefahr, komplett aus dem Ruder zu laufen. Das Gegenteil von validierend wäre dann wohl invalidierend, also eine invalide Art und Weise, ein Gespräch zu führen. Viele Menschen validieren im Gespräch jedoch nicht zurück. Das macht es dann manchmal schwierig. Es gibt jedoch kein Grund, nicht dennoch validierend zu bleiben. Denn so erreicht man eher was, als wenn man impulsiv, angreifend und ohne Wertschätzung reagiert. Um das Validieren zu üben, hat man in der Klinik das optimal geschützte Übungsfeld. Irgendwann geht es richtig ins Blut über. Wie sagt man so schön; Übung macht den Meister. Sich selbst zu validieren ist fast noch schwieriger. Dafür braucht man einen fairen Blick auf sich selbst.

Im Anschluss zu diesem Beitrag veröffentliche ich eine Luftansicht der Karl Jaspers Klinik. Dann seht Ihr mal, wie schön die Klinik im Grunde genommen gelegen ist. Es kommt mir manchmal vor, als ob wir inmitten einer riesigen Parkanlage hausen.

Auf dem Gelände gibt es viele Tiere zu sehen. Eichhörnchen, Enten, Pfauen, Kaninchen, Hühner, Schafe, Ziegen, Schweine und Pferde, um einige aufzuzählen. Jeden Dienstag Abend und jeden Donnerstag Abend kommt mich mein Mann besuchen. Manchmal nimmt er mein kleines Hundemädchen mit. Von meinem Hund habe ich, glaube ich, in meinem Blog noch nie erzählt. Wir teilen unser Leben nämlich mit einem kleinen Yorki-Mädchen. Sie ist erst neun Monate alt, aber bereits ausgewachsen, wiegt insgesamt nur 2,4 Kilo. Ein richtig kleines, zartes, liebenswertes Geschöpf, das mir unheimlich viel Freude bereitet. Sie ist mein bester Skill überhaupt. Sie schafft es sogar, mich wieder ein bisschen auf den Teppich zu bringen, wenn ich mal wieder in Hochanspannung gerate. Ich möchte sie nicht mehr missen. Ich werde sie in einem meiner nächsten Beiträge anhand von Fotos ein bisschen näher vorstellen. Aber erst einmal war es das für heute von mir. So viel Zeit habe ich nämlich gar nicht, während meinem Klinikaufenthalt im Internet zu verbringen. Deshalb melde ich mich auch so selten.

Mit liebem Gruß,
Eure Ruby

P.S. jetzt kommt das versprochene Luftbild der Karl Jaspers Klinik
Karl Jaspers Klinik in Wehnen, Luftansicht

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