Kontakte zur Mutter

Letzte Woche hatte meine Mutter Geburtstag. Ich habe sie schon ungefähr 16 Jahre nicht mehr gesehen und nicht mehr gesprochen. Sie hat den Kontakt zu mir von sich aus abgebrochen. Aber auch zuvor hatte ich kaum Kontakt zu ihr. Ich schreibe ihr jedoch jedes Jahr mindestens drei Emails. Zu Weihnachten, zum Geburtstag und zum Muttertag. Zum Muttertag bestelle ich jeweils auch ein Blumengebinde bei Fleurop, das ich ihr dann liefern lasse.

Auf meine Mails reagiert sie teilweise gar nicht, oder sie schreibt mir ein oder zwei Sätze zurück. In diesen Mails vermeidet sie es immer, mich mit Namen anzusprechen. Meist beginnen diese Mails mit einem unpersönlichen „Hallo“. Und wie gesagt, mehr als zwei Zeilen schreibt sie für gewöhnlich nicht.

Dennoch versuche ich mir bei meinen Mails immer viel Mühe zu geben. Meist erzähle ich unverfängliche, kurzweilige Anekdoten aus meinem Leben, ohne sie jedoch mit meinen Problemen oder Sorgen zu belasten. Auch mache ich ihr in meinen Mails nie irgendwelche Vorwürfe und stelle auch keine Forderungen oder Ansprüche. Bei jeder Mail, die ich schreibe, tue ich mich dennoch immer sehr schwer. Es kostet mich unheimlich viel Energie, Überwindung und Mühe.

Ich vermute, dass meine Mutter mich aus irgendwelchen Gründen abgrundtief hassen muss. Diesen Hass habe ich bereits als kleines Kind zu spüren bekommen. Während meiner Kindheit hat sie mich über viele Jahre als Satansbrut beschimpft. Einige meiner frühsten Kindheitserinnerungen sind von solchen Erlebnissen geprägt. Sie schüttelte mich durch, schlug mich und behauptete in sehr aggressiver Art und Weise, dass ich nicht von ihr abstammen würde, sondern von Satan. Ich wäre seine Satansbrut.

Meine Mutter war eine eher ungeduldige, harte und wie mir damals schien, manchmal auch ziemlich herzlose, kalte, ungerechte Frau. Sie schlug oft zu. Mit Teppichklopfer, Gürtel, Kochlöffel oder mit der Hand. Heutzutage ist mir klar, dass auch sie psychisch nicht ganz gesund gewesen sein kann. Sie hat sich jedoch nie bemüht, therapiert oder behandelt zu werden, geschweige denn daran was ändern zu wollen. Bis zum heutigen Tage.

Schlussendlich habe ich keine Ahnung, weshalb sie mich so hasst. Jedoch denke ich, dass es dafür einen schwerwiegenden Grund geben muss. Vielleicht etwas, an das ich mich selbst nicht mehr erinnern kann, beziehungsweise gar keinen wirklichen Einfluss darauf hatte. Ich war ja noch ein kleines Kind, als das anfing. Zu meinen beiden Schwestern hatte sie einen besseren Zugang.

Ich weiß nicht, ob mir schlussendlich meine Mutter den Samen meiner Borderline Persönlichkeit eingepflanzt hat. Was ich aber mit Sicherheit weiß, ist, dass sie diesen Samen bereits seit meiner frühsten Kindheit mit Nahrung versorgt hat, sodass er keimen und unkontrolliert wachsen, wuchern und gedeihen konnte. Sie trägt deshalb sicherlich eine Mitverantwortung für das, was aus mir geworden ist. Ganz freisprechen könnte ich sie davon jedenfalls nicht. Jedoch will ich ihr auf keinen Fall die alleinige Schuld dafür geben. Wahrscheinlich sollte ich die Schuld für meine Borderline Persönlichkeit auch bei mir selbst suchen. Vielleicht war ich ja auch ein besonders schwieriges Kind, was nicht einfach zu händeln war. Und sie war schlichtweg überfordert mit mir.

Jedenfalls tue ich mich extrem schwer damit, meiner Mutter zu schreiben. Innerlich kommt dann jeweils immer eine Menge hoch. In diesem Blog versuche ich auch das in Zukunft nach und nach ein bisschen besser zu verarbeiten.

Mit liebem Gruß
Ruby

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