Ein Monat vor Therapie

Knapp ein Monat vor der Therapie…

Die letzten Tage ging es mir ziemlich bescheiden, was wohl an der Dosisreduzierung von Quetiapin liegt. Von 900mg auf 600mg zu reduzieren, ist kein wirkliches Ausschleichen mehr. Derzeit fühle ich mich gerade so, als ob ich gar kein Neuroleptikum mehr nehme, obwohl ich noch immer bei täglichen 600mg Quetiapin liege. Dafür habe ich heftige Absetzprobleme, Schüttelfrost, Schlafprobleme, bizarre, angstvolle Träume, ein Körper voll mit Nervosität, bin teilweise vollkommen überdreht, gestresst und stehe unter heftiger Anspannung. Ich bin auch kaum mehr belastbar. Mein Gehirn fühlt sich an, als ob nicht alle Weichen richtig gestellt sind. Eine andere Borderlinerin meinte zu mir, dass das daran liegen würde, weil nun plötzlich wieder irgendwelche Rezeptoren im Hirn frei werden. Das mag vielleicht auch stimmen, hilft mir aber nicht wirklich weiter.

Ich könnte mich natürlich wieder ein bisschen hoch dosieren. Aber das will ich nicht. Denn die extrem hohe Dosis Quetiapin macht mich nur wieder Antriebslos. Und das kann ich so kurz vor der stationären Therapie im März gar nicht gebrauchen. Denn so Antriebslos stehe ich keine stationäre Therapie durch. Ich kenne ja bereits den Stunden-Wochenplan der Therapie. Ich kann das also schon ein bisschen einschätzen.

Unter Quetiapin leidet leider auch meine Kreativität, was ich ziemlich ätzend finde. Früher war ich ziemlich kreativ, habe Schmuck oder andere Dinge gebastelt, musiziert, gerne gemalt und sehr gerne geschrieben und noch vieles, vieles mehr. Selbst in der Küche war ich kreativ. Meine Kreativität spiegelt sich sogar in unserem gesamten Haus, so, wie es von mir dekoriert und eingerichtet wurde. Mein Mann hat dafür kein Händchen, überlässt das deshalb in der Regel mir.

Nun scheint Quetiapin jedoch bei mir genau diejenigen Hirnregionen zu blockieren, in denen meine Kreativität normalerweise entsteht. Leider weiß ich von früheren Therapien her, dass während meiner stationären Therapie sicherlich auch irgendwann meine Kreativität gefragt wird. Davor habe ich schrecklich viel Angst. Weil ich jetzt schon weiß, dass ich ein vollkommenes Black-Out haben werde. Ich komme mir dabei schon jetzt so minderwertig vor.

Na ja, am Neunten habe ich einen Termin bei meiner neuen Psychologin. Ich werde das Thema dann ansprechen. Ich würde gerne noch weiter runter mit dem Quetiapin. Es ist mir dabei eigentlich auch egal, wenn die Borderline Symptomatik dadurch wieder schlimmer wird. So bin ich wenigstens authentischer mich selbst, ohne künstlich stabil und ruhig gehalten zu werden. Das kann doch für die stationäre Therapie nur von Vorteil sein. Oder? Denn auf Tabletten ruhig gestellt, ergibt ja ein komplett falsches Bild von einem selbst. Oder irre ich mich? Bin mir nicht ganz sicher.

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