Das Craving Protokoll

In meinem letzten Blogeintrag zum Thema Anti-Craving Skill habe ich den Skill Emotions-Surfing vorgestellt. In den USA wird dieser Anti-Craving Skill auch gerne als Urge-Surfing bezeichnet. Urge bedeutet übersetzt Drang, Verlangen oder Bedürfnis. Urge-Surfing ist ein Skill, der eigentlich zum DBT-Modul „Umgang mit Gefühlen“ gezählt wird. Unter anderem geht es bei diesem Skill ganz allgemein darum, ein kraftvolles Ausbalancieren von Suchtdruck zu erlernen.

Beim Modul Sucht und Craving der dialektisch-Behavioralen Therapie liegt der Schwerpunkt jedoch eher bei „Stresstoleranz-Skills“. Aber auch Fertigkeiten zum „Umgang mit Gefühlen“, wie zum Beispiel dem Urge-Surfing, können dabei helfen, die Stresstoleranz mit der Zeit zu erweitern.

Da ich selbst eine Borderline Persönlichkeit mit ausgesprochener Suchtproblematik bin und in meinem Leben immer wieder mit Substanz- und Drogenmissbrauch zu kämpfen hatte, habe ich mir nun überlegt, in meinem Blog eine spezielle Kategorie mit dem Titel „DBT-Sucht“ einzurichten, um mich hier nach und nach ausführlicher mit diesem schwierigen Thema auseinanderzusetzen.

Als Anti-Craving Fertigkeiten kommen hauptsächlich Skills zur Krisenbewältigung und Skills zum Annehmen der Realität und Verantwortung zum Zuge. Diese Anti-Craving Fertigkeiten werden wiederum in zwei Gruppen aufgeteilt. Skills zum Vermeiden von Craving und Skills, die bei akutem Craving eingesetzt werden.

Am besten beginne ich mit der ersten Gruppe und stelle mir die Frage, wie ich Craving vermeiden kann und mich wirksam dagegen wappne: Der erste und wichtigste Schritt ist es, Kontrolle zu diesem Verhalten zu erlangen. Das erreiche ich am ehesten, indem ich den Drang zu meinem schädlichen Verhalten, in meinem Fall Substanz- und Drogenmissbrauch, genau protokolliere. Es empfiehlt sich dabei am Ende eines jeden Tages ein Craving-Protokoll zu führen. In dieses Protokoll gehört:

1.) die genaue Uhrzeit des Dranges,
2.) die jeweilige Situation,
3.) der leitende, drängende Gedanke,
4.) das leitende, drängende Gefühl,
5.) die körperlichen Zeichen,
6.) die Intensität des Cravings auf einer Skala von 0% bis 100%
7.) was genau hat geholfen, den Gedanken und Gefühlen zu widerstehen?

Dieses Protokoll organisiert man am besten anhand einer Tabelle mit den jeweilig aufgeführten sieben Punkten. So kann man Tag für Tag anhand von Stichworten den Suchtdruck möglichst genau dokumentieren.

Nebst diesem täglichen Protokoll ist es genau so wichtig, die Umstände, die mich überhaupt immer wieder so anfällig und verwundbar machen, zu verbessern. Auch die körperliche Fitness darf hierzu nicht vernachlässigt werden. Dazu gehört genauso ausreichender Schlaf, wie auch Bewegung (z.B. Sport). Des weiteren sollten alle Reize, die mich besonders anfällig machen, vermieden werden. Zu solchen Reizen würde ich zum Beispiel Bekannte oder Freunde zählen, die Drogen konsumieren. Aber auch bestimmte Szeneplätze oder Orte, wo Drogen verkauft werden, können reizen. Einem Alkoholiker würde ich zum Beispiel raten, keine Kneipen mehr zu besuchen und in Supermärkten einen weiten Bogen um die Alkohol-Abteilung zu machen. Selbst Filme oder Lieder, in denen es um Drogen geht, können triggern.

Man sollte wahrscheinlich nicht unbedingt erwarten, dass das alles ganz ohne fremde Hilfe zu bewerkstelligen ist. Die aufgeführten Punkte können auch während Einzeltherapiegesprächen genauer ausgearbeitet werden.

Wie gesagt, meine Ausführung bezieht sich nun erst einmal auf das Vermeiden oder Wappnen gegen Craving. Wenn jedoch Craving akut auftritt, kann Urge-Surfing, beziehungsweise Emotionssurfing wieder sehr hilfreich sein. Hierzu werde ich bei einem meiner nächsten Blogeinträge nochmals ausführlicher eingehen.

Mit einem lieben Gruß
Ruby

Das Craving Protokoll:


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