Anti-Craving Skill Emotionssurfing

Was lässt sich gegen Craving/Suchtdruck tun?

Während meiner stationären DBT in der Karl Jaspers Klinik habe ich als latente Polytoxikomanin gegen Suchtdruck als erstes den Skill „Emotionssurfing (Urge Surfing)“ gelernt. Vielleicht hilft der Skill ja auch anderen Suchtmenschen. Deshalb veröffentliche ich nun hier eine kleine Einführung dazu:

Erst einmal musst Du das Gefühl (den Suchtdruck) mit einer annehmenden Haltung akzeptieren, ohne dem Handlungsimpuls nachzugeben. Das Stichwort dabei ist radikale Akzeptanz, ebenfalls ein Skill, der dann zum Zuge kommt, wenn praktisch nichts mehr anderes geht.

Vergegenwärtige Dich, dass Du nicht das Gefühl bist, sondern ein Gefühl hast. Versuche den Suchtdruck durch entgegengesetztes Handeln, entgegengesetzter Wahrnehmung, entgegengesetzter Körperreaktion und entgegengesetztem Denken abzuschwächen.

Stelle Dir vor, das Craving wäre eine Welle, die Du beobachtest. Eine Welle, die sich erst groß aufbäumt und dann langsam wieder kleiner wird. Trete innerlich ein Stück zurück und frage Dich, welches Gefühl du hast und wie stark es ist. Beobachte, welche Körperreaktion Du hast,welche Gedanken und welchen Handlungswunsch. Vergiss dabei nicht, dass das nur ein Gefühl ist und Du nicht selber das Gefühl bist. Atme mit dem Gefühl und beginne bei der nächsten Welle von vorne. Surfe auf der Craving Welle. Beobachte, wie die Wellen (Dein Craving, Deine Gefühle) von mal zu mal kleiner werden.

Wenn Du aufgrund von dem Craving bereits unter Hochanspannung stehst, helfen Dir vielleicht auch Körperskills, wie zum Beispiel Stresshocke, bei der Du Dir eine Wand suchst, Dich mit dem Rücken zur Wand lehnst und Dich auf einen imaginären Stuhl „in die Luft“ setzt, möglichst tief, damit es auch richtig anstrengt. Oder Liegestützen an der Wand, bei der Du Dich eine Armlänge vor eine Wand stellst, Deine Handflächen schulterbreit flach mit den Fingerspitzen nach oben auf die Wand legst und dann beide Arme mit geradem Rücken beugst, bis Deine Nase die Wand berührt und Du Dich anschließend wieder mit den Armen von der Wand drückst. Oder den Zehenstand, bei dem Du immer wieder kurz auf die Zehen stehst und ohne die Fußfläche ganz auf den Boden abzustellen, wieder runter gehst, um Dich daraufhin gleich wieder auf die Zehen zu stellen. Aber auch Rumpfbeugen, normale Liegestützen, oder ganz einfach Sport, über den Du Dich richtig auspowerst, kann bei innerlicher Hochanspannung manchmal sehr hilfreich sein.

Zusätzlich zu solchen Skills könntest Du Dir auch Ohrakupunktur nach dem NADA Protokoll machen lassen. (NADA = National Acupuncture Detoxification Association). Diese Ohrakupunktur ist eine anerkannte Methode und wird auch von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Bei uns auf der DBT Station wurde sie uns täglich angeboten. Auch jetzt noch besuche ich in der Karl Jaspers Klinik bei Oldenburg zwei Mal wöchentlich diese Ohrakupunktur. Die Wirksamkeit zu dieser Ohrakupunktur wurde bereits über mehrere Studien belegt. Sie hilft nicht nur bei Suchtdruck, sondern auch bei Hochstress und hoher innerer Anspannung. Bei Borderline-Persönlichkeiten hat man damit schon beachtliche Erfolge erzielt. Ich veröffentliche hier zu dieser Ohrakupunktur einfach mal das Aufklärungs-Infoblatt der Karl Jaspers Klinik.

Ohrakupunktur nach dem NADA Protokoll der Karl Jaspers Klinik Wehnen, (PDF)

Lieben Gruß
Ruby


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