Anti-Craving Skill „drei mal A“

In meinem letzten Beitrag in der Kategorie „DBT-Sucht„, habe ich über das „Craving-Protokoll“ geschrieben. Dieses Protokoll gehört zu den Fertigkeiten, die längerfristig zur Vermeidung von Craving beitragen sollen. Heute will ich über ein Skill schreiben, der eher dann zum Zuge kommt, wenn man unter akutem Craving leidet. Der Skill nennt sich „drei mal A„:

1.) Annehmen
2.) Anfeuern
3.) Abreiten (Wellenreiten)

Beim Annehmen geht es darum, mir einzugestehen, dass der Drang oder das Craving da ist, ich jedoch den Kampf dagegen aufnehmen will: Zum Beispiel „Ich verspüre gerade einen starken Suchtdruck, werde jedoch dagegen kämpfen“.

Beim Anfeuern geht es darum, mir Mut zu zureden, mich aufzubauen und mich selbst zu motivieren. Beispielsweise kann ich mir sagen, dass ich schon viel härteren Suchtdruck überstanden habe. Oder ich feuere mich an, dem akuten Suchtdruck nicht nachzugehen. Ich kann mir auch sagen, dass schlussendlich jedes Craving dazu dient, mich dagegen immer besser zu trainieren. Auch könnte ich mir vornehmen, dass ich mich nach erfolgreichem Überstehen des akuten Suchtdrucks mit was besonders Angenehmen oder was Schönem belohne.

Das letzte „A“ von diesem Skill bezieht sich auf das Abreiten der Welle. Eine kurze Einführung zu Emotions-Surfing, beziehungsweise „Urge-Surfing“ (Urge = Drang) habe ich in meinem Beitrag „Anti-Craving Skill Emotionssurfing“ bereits geschrieben. Dabei nehme ich den Suchtdruck, das Craving, als eine Welle wahr, die langsam größer wird, bevor sie bricht und langsam wieder verebbt. Zwar kommt die Welle. Sie geht aber auch wieder. Genau so verhält es sich auch mit Craving und dem dazugehörenden Handlungsimpuls, „etwas“ konsumieren zu müssen. Mal ist es stärker, mal etwas schwächer, einer Welle gleich, die kommt und geht. Wie ein guter Wellenreiter kann ich diese Welle abreiten.

Ein Wellenreiter kämpft nicht gegen die Welle, sondern reitet sie ab. Natürlich bedarf es auch an Übung und Ausdauer, um überhaupt ein guter Wellenreiter zu werden und das Surfbrett geschickt durch die Wellen zu manövrieren. Kein Meister ist je vom Himmel gefallen. Und nicht zuletzt braucht man als guter Surfer auch ein gutes Surfbrett. Mit dem Surfbrett sind hilfreiche Unterstützungen gemeint; zum Beispiel eine stabile Gesundheit, eine gesunde Ernährung, ein gesunder Schlaf und wahre Werte, die meinem Leben Kraft verleihen und die es mir im Gesamtpaket erst möglich machen, mich dem Suchtdruck auszusetzen.

Während dem Reiten auf der Welle achte ich auf meinen Körper. Wo genau nehme ich den Drang wahr? Ich konzentriere meine Wahrnehmung auf diesen Bereich des Körpers. Ebenso achte ich auf meine Gedanken. Welche Gedanken möchten mich dazu verleiten, dem Suchtdruck nachzugeben? Die selbe Frage stelle ich mir auch im Bezug zu meinen Gefühlen. Welche Gefühle wollen mich verführen, dem Drang nachzugeben? Ich muss den Suchtdruck annehmen und darf ihm nicht nachgeben. So lernt mein Hirn, dass es auch ohne Drogen- oder Subtanzmissbrauch geht. Je stärker das Verlangen, je stärker ist auch der daraus resultierende Lerneffekt. Ich kann mir auch immer wieder vergegenwärtigen, wie weit ich bereits gekommen bin und dass ich auch diesen Moment überstehen werde.

Der Skill „drei mal A“ lässt sich aber nicht nur auf Suchtdruck von Drogen- und Substanzmissbrauch anwenden. Er könnte genau so gut bei Selbstverletzungsdruck, Kaufsucht, Spielsucht oder anderem selbstschädigendem Verhalten angewendet werden. Dieser Skill hilft dabei, den Augenblick zu verändern.

Wenn man jedoch das Gefühl hat, dass der Suchtdruck steigt, sobald man sich auf selbigen konzentriert, sollte man diesen Skill nicht ohne die Hilfe eines Therapeuten anwenden.

Mit einem freundlichen Gruß
Eure Ruby


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