Ab in die Psychiatrie

Ab morgen bin ich wieder für ein paar Wochen in der Psychiatrie. Dann beginnt mein zweites stationäre Modul der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT). Meine Koffer sind bereits gepackt. Es kommt wieder elend viel Gepäck zusammen, zumal ich dazu neige, jeweils viel zu viel mitzunehmen. Aber lieber zu viel, als zu wenig. Ich nehme sogar eigenes Bettzeugs, Bettlaken und Kopfkissen mit, damit ich mich zumindest in meinem Klinik Schlafzimmer ein bisschen wohler fühle.

Bereits seit Tagen drehe ich wegen diesem kommenden Aufenthalt vollständig am Rad. Ich habe extrem viel Angst vor der Zeit in der Klinik. Die letzten Tage konnte ich nicht mehr richtig schlafen. Mein Körper reagiert mit allerlei psychosomatischen Symptomen. Von Bauchkrämpfen, Übelkeit bis zur hämmernden Migräne ist alles dabei. Angst habe ich vorwiegend vor den Menschen dort und weniger vor dem eigentlichen Therapieinhalt. Angst davor, ausgegrenzt oder aufgrund meiner Person gar gemobbt zu werden. Mein erster stationäre DBT Aufenthalt war leider nicht frei von solchen Erlebnissen.

Die Therapie ist ebenfalls ziemlich anspruchsvoll. Sie fordert mich sehr. Der Wochenplan ist ziemlich gestopft. Jeder Patient bekommt zu Anfang eine Bezugspflege zugeteilt. Und einen Therapeuten für die Einzeltherapiegespräche. Tagsüber finden dann alle möglichen Gruppen statt, Achtsamkeitsgruppe, Info- und Basisgruppe und die Skillsgruppen. Die Teilnahme aller Gruppen wird erwünscht. Das wird von der eigenen Therapiebereitschaft her so erwartet. Es sind also mehr oder weniger Pflichttermine. Zusätzlich gibt es Bewegungstherapie. Das ist schlussendlich nichts anderes als Sport. Und auch noch Körperskillsgruppe. Das ist eine leichte Version von Sport. Es geht dabei wohl in erster Linie darum, wieder ein richtiges Gefühl zum eigenen Körper zu bekommen. Des Weiteren sind wir zwei Mal wöchentlich in der Holzwerkstatt. Bei dem gleichen Ergo Therapeuten war ich die letzten Wochen auch ambulant zur Ergotherapie. Holzwerkstatt ist quasi unsere Ergotherapie. Und einmal wöchentlich sind wir in der Skills-Werkstatt. Dort basteln wir Skills, oder einen Skillskoffer usw… So einen Skillskoffer habe ich mir beim letzten Modul gebastelt. Im Anschluss an dieses Postings veröffentliche Fotos davon.

Am Freitagmorgen ist jeweils Arztvisite. Bei diesem Termin wird man einzeln in ein Büro gerufen, in dem sich das komplette Therapeuten-Team befindet. Im empfinde diesen Termin jeweils als unheimlich stressig.Für gewöhnlich bin ich dann höllisch nervös.

Samstagmorgen bis Sonntagabend dürfen wir nach Hause. Leider kann man sich zu Hause nicht wirklich erholen, zumal man sich bereits wieder für die nächste Woche vorbereiten muss. Wäsche muss zum Beispiel gemacht werden. Und zu Hause bleibt ja unter der Woche auch immer ein bisschen die Arbeit stehen. Besser wäre es, wenn man bereits am Freitagabend nach Hause dürfte. Dann wär das wenigstens ein richtiges Wochenende. Diskussionen darüber führen jedoch ins Nichts. Aufgrund der Kostenabrechnung will das die Klinik wohl nicht ändern. Um radikale Akzeptanz kommt man bei diesem Thema nicht herum.

Ich habe ja so viel Schiss vor der Therapie. Obwohl ich den Ablauf schon kenne und bereits ein Modul erfolgreich beendet habe. Am liebsten würde ich davor flüchten, mich tief irgendwo in der Pampa verstecken. Oder am besten gleich auf einen anderen Planeten.

„Radikale Akzeptanz“ wird in der DBT als Skill gezählt. „Radikale Akzeptanz“, „innere Bereitschaft“ und „Entscheidung für einen neuen Weg“ sind alles Skills aus dem Stresstoleranzbereich, die ich derzeit versuche anzuwenden. Hinzu kommt ein richtig wichtiger Skill aus dem Bereich „Umgang mit Gefühlen“. Dieser Skill nennt sich „entgegengesetztes Handeln“. Er spricht für sich, bedarf keiner Erklärung.

Wäre ich mir dieser Skills nicht bewusst, würde ich mich wohl vor dem morgigen Tag drücken, oder die DBT sogar ganz sausen lassen. Ich habe dennoch unheimlich viel Schiss vor morgen. Vielleicht werde ich diesen Blog während dieser Zeit dafür nutzen, um hin und wieder aus der Klinik zu berichten. Erst einmal belasse ich es bei diesem Posting hier. Im Anschluss an dieses Posting kommt nun also, wie versprochen, noch ein Foto von meinem Skillkoffer, den ich bei meinem letzten stationären DBT Aufenthalt in der Skillswerkstatt gebastelt habe.

alles Liebe
Ruby

Skillskoffer

Skillskoffer selbst gebastelt

Skillskoffer Rückseite

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5 Kommentare zu Ab in die Psychiatrie

  1. Katrin Günther sagt:

    Hallo liebe Serena!
    Ich war mit dir zusammen im DBT, vielleicht erinnerst du dich an mich, Katrin.
    Ich finde deinen Blog super! Ich wünsche dir von ganzem Herzen viel Kraft, die Zeit ohne deinen Mann durchzustehen, aber so wie ich dich kennengelernt habe, du schaffst das! ! Ganz liebe Grüße schicke ich dir. Katrin

    • Ruby sagt:

      Hallo liebe Katrin,
      natürlich kann ich mich an Dich erinnern. Wie könnte ich denn so eine liebe Frau wie Dich vergessen. Ich hoffe, Dir geht es gut. Es freut mich, dass Du auf mein Blog gefunden hast. Mein Blog macht mir richtig viel Freude. Und irgendwie ist es auch ein sehr guter Skill.

      ganz lieben Gruß
      Sirina

  2. Katrin Günther sagt:

    Hallo liebe Sirina!
    Vielen lieben Dank für deine lieben Zeilen. Nach einigen Hoch und Tiefs geht es mir im Moment ganz gut. Schön von dir zu lesen. Ich schicke dir ganz liebe Grüße. Katrin

  3. Doris Hedden sagt:

    Hallo du Liebe!

    Ich habe durch Katrin auch deinen Blog gefunden 🙂 Erinnerst du dich auch an mich? 😀 Ich finde es sehr gut zu lesen wie es anderen so geht mit dem DBT und allem. Ich finde deinen Schreibstil sehr angenehm zu lesen und freue mich wenn ich ab und an neues von dir lesen kann!
    Liebe und Licht für Dich
    Doris

    • Ruby sagt:

      Hallo liebe Doris! Natürlich kann ich mich an Dich erinnern. Wie könnte ich Dich so schnell vergessen. Der Stressball, den Du für mich gemacht hast, tut mir gute Dienste. Er liegt meistens schnell erreichbar auf dem Wohnzimmertisch. Nur schon deshalb denke ich öfters mal an Dich. Ich wünsche Dir alles gute, liebe Doris. Freut mich, dass Du hierher gefunden hast. Mit einem lieben Gruß, Sirina.

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