Ruby allein zu Hause

Am Sonntag vor einer Woche habe ich meinen Mann nach Bremen zum Flughafen gebracht. Er macht elf Tage in Südportugal Urlaub. Seit Jahren ist es das erste Mal, dass ich ganz alleine zu Hause bin. Selbst als ich in der Klinik zur Therapie war, hat er mich jeden zweiten Tag besucht. Und letztes Jahr, als ich wegen der Komplikationen meiner damaligen Magersucht mehrere Male im Krankenhaus lag, hat er mich sogar täglich besucht. Dafür hat er sich extra in einem Hotel in der Nähe des Krankenhauses eingemietet. Und nun bin ich schon sieben Tage ganz alleine zu Hause. Viele Borderliner haben ein Problem mit alleine sein. Eigentlich kann ich mich ganz gut alleine beschäftigen, solange ich weiß, dass mein Mann ganz in der Nähe ist. Nur so ganz alleine ist für mich Premiere. Obwohl, ganz alleine bin ich ja nicht, habe ja mein kleines Hundemädchen bei mir. Darüber bin ich sehr froh. Ich finde, Hunde steigern die Lebensqualität. So treue Begleiter findet man im Tierreich nur selten.

Aufgrund meiner Sozialphobie fällt es mir unheimlich schwer, einkaufen zu gehen. Ein Gang in den Supermarkt empfinde ich wie ein Spießrutenlauf. Aber ich habe vorgesorgt. Ich habe für die ganzen elf Tage Vorräte zu Hause. Damit ich auch ja nicht einkaufen gehen muss. Ich habe mir quasi für die ganzen elf Tage ein Menüplan zurecht gelegt und koche nun Tag für Tag meine Vorräte weg. Am Freitag hat mich meine Betreuerin besucht. Und davor war ich mit einem Freund im Dorf frühstücken. In der Skillsgruppe war ich ebenfalls. Und heute habe ich einen langen, schönen Spaziergang mit meinem Yorki-Mädchen gemacht. Die ganzen Tage sorge ich für ein bisschen Programm. Das lenkt mich ab. Diese Woche habe ich auch viel im Garten gemacht.

Und das wirklich gute ist, dass es Internet gibt. Denn jeden Tag skype ich mit meinem Mann. Wenn ich ihn dann über Skype so sehe, kommt mir das immer ein bisschen so vor, als ob er bei mir ist. Die Idee zu seinem Portugal Urlaub kam von mir. Ich wusste, dass er bereits seit Jahren wieder mal gerne da runter wollte. Wir haben ja viele Jahre dort gewohnt. Ich wollte ihm einfach was gutes gönnen. Nach allem, was er schon für mich getan hat, hat er das einfach verdient. Natürlich hätte ich ebenfalls mitfahren können. Aber ich hätte das nicht vertragen. Meine Gefühle hätten aufgrund der ganzen Erinnerungen nur wieder verrückt gespielt. Es ist besser, dass ich hier geblieben bin.

Ich selber habe in den vierzehn Jahren, seit wir in Deutschland leben, noch nie Urlaub gemacht. Anfangs nächstes Jahr erwarte ich eine Abfindung für ärztliche Kunstfehler, mit denen man mich im Krankenhaus verpfuscht hat. 15 Tausend Euro wurden mir von der Versicherung des Krankenhauses bereits angeboten. Ich habe aber abgelehnt. Ich will ein bisschen mehr. Mit zwanzig Tausend wäre ich zufrieden. Mein Anwalt hat ursprünglich 50 Tausend verlangt. Aber das werde ich natürlich nie bekommen. Die Versicherung des Krankenhauses verhandelt sehr hart. Am liebsten würden sie wahrscheinlich gar nichts bezahlen. Jedenfalls haben wir vor, uns mit ca. 10 Tausend Euro der Abfindung ein gebrauchtes Mobilheim auf einem Campingplatz in Spanien zu kaufen. Für das Geld bekommt man schon sehr schöne Teile. Dann wollen wir jedes Jahr für einige Zeit nach Spanien in den Urlaub fahren. Hauptsächlich im Herbst oder im Frühjahr, um die kalte Zeit in unseren Breitengraden ein bisschen zu verkürzen. Darauf freue ich mich schon sehr.

Dieses Jahr steht aber erst einmal meine Einbürgerung an. Am 27. Oktober muss ich zum Einbürgerungstest. Ich habe bereits gelernt. Ich würde gerne ohne Fehler bestehen. Vielleicht schaffe ich das sogar. Ich bin Perfektionistin. Bestehen werde ich auf jeden Fall. Ich freue mich darauf, Deutsche zu werden. Deutschland ist meine Heimat geworden. Endlich bin ich dann keine Ausländerin mehr. Das ist so cool. Ich bin diesem Land so dankbar und fühle mich Deutschland so verbunden. Meine Eltern werden sich vielleicht darüber ärgern. Aber mit denen habe ich ja eh fast keinen Kontakt. Sie wollen ja sogar, dass ich hier im Ausland lebe, damit ich weit genug weg von ihnen bin. Von dem her ist es nur konsequent, wenn ich mich nun einbürgern lasse. Ich fühle mich eh als Deutsche. Das Ausländeramt wollte ja eigentlich sogar, dass ich vor der Einbürgerung einen Deutschtest absolviere. Wie lächerlich. Ich spreche perfekt Deutsch. Sie meinten dann, dass sie meine Deutschkenntnisse beim Abgeben all meiner Dokumente, die für die Einbürgerung gebraucht werden, überprüfen werden. Das wird sicherlich richtig spaßig werden.

Nun bin ich noch vier Tage alleine. Dann kommt mein Mann zurück. Das macht mich richtig glücklich. Vom Flughafen in Bremen bis nach Oldenburg fährt er mit der Bahn. In Oldenburg hole ich ihn dann ab.

Ich könnte noch viel erzählen, mache aber für heute wieder mal Schluss.

Mit einem lieben Gruß
Ruby

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Yoga und Nordic Walking

Vor drei Tagen, als ich bei meinem Psychiater im Wartezimmer saß, entdeckte ich einen Flyer meiner gesetzlichen Krankenkasse, auf dem sie Werbung für präventive Gesundheitskurse machten, die sie bezuschussen würden. Jeweils zwei Gesundheitskurse jährlich werden von den Kosten her teilweise übernommen. Darunter waren zum Beispiel ein Yoga Kurs, ein Nordic Walking Kurs, Krafttraining, Rückenschule und andere interessante Angebote aufgeführt. Mein Mann meinte zu mir, dass er durchaus Interesse an einem Yoga Kurs hätte. Auch Nordic Walking könnte er sich eventuell vorstellen. Für Nordic Walking braucht man aber nicht unbedingt einen Kurs, denn bei Youtube gibt es zahlreiche gute Anleitungen für diese Sportart. Heute habe ich ihn dann nochmals gefragt, ob er denn wirklich Lust hätte, mit mir Nordic Walking zu machen. Zu meiner großen Freude antwortete er, dass wir das gerne ausprobieren können. Im Internet habe ich daraufhin gleich zwei Paar Nordic Walking Stöcke bestellt und dazu zwei Fitness Tracking Uhren, mit denen man die Schritte, den Kalorienverbrauch, die Herzfrequenz und viele andere Gesundheitsdaten messen kann. Ich freue mich jetzt schon riesig darauf, mit ihm walken zu gehen. Für mich ist das ein super guter Skill. Und zu zweit macht es sicherlich auch viel mehr Spaß, als wenn ich das alleine mache.

Zum Yoga Kurs will er mit mir auf jeden Fall hin. Wir haben uns dann heute gleich erkundigt, wo genau wir das in unserer Gegend machen können und eine Yoga Lehrerin gefunden, die über die Kasse abrechnen darf. Darauf freue ich mich riesig. Denn ich versuche eigentlich bereits seit Jahren, ihn zu überreden, mit mir zu Hause ein bisschen Yoga zu machen. Und nun werden wir zusammen einen Yoga Kurs besuchen. Ich hätte nie gedacht, dass er das jemals mit mir machen würde. Mit unserer Beziehung läuft es gerade ziemlich gut. Wie glücklich ich doch darüber bin.

Seit ich die dialektisch-Behaviorale Therapie begonnen habe, ist es zwischen uns wieder viel harmonischer geworden. Ich führe das in jedem Fall direkt auf die Therapie zurück. Ich glaube, meine zwischenmenschlichen Fertigkeiten haben sich durch die Therapie auch wirklich spürbar verbessert. Auch meine Gefühle kann ich nun schon viel besser regulieren. Ich flippe auch nicht mehr so schnell aus, bin ruhiger geworden. Jedem Menschen mit Borderline kann ich eine DBT von dem her nur wärmsten empfehlen. Meine Lebensqualität hat sich dadurch in jedem Fall verbessert.

In der stationären dialektisch-Behavioralen Therapie haben wir während dem Körperskills-Training ebenfalls hin und wieder Yoga gemacht. Das hat mir immer sehr gut getan. Ich konnte damit meine Anspannung hervorragend runter bringen. Yoga befreit und reinigt Körper und Seele. Achtsamkeit pur. So habe ich es subjektiv für mich jedes Mal wahr genommen. Ich spreche unheimlich gut darauf an. Ich blicke derzeit sehr euphorisch auf meine Zukunft. Es hat sich einiges getan. Hoffentlich bleibt das so. Ich wünsche jedem Menschen mit Borderline, der ernsthaft an sich arbeitet, ebenso solche kleine Erfolge, die er abfeiern kann. Das stärkt nicht zuletzt auch ein bisschen das Selbstbewusstsein.

Mit einem freundlichen Gruß
Ruby

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Nicht alleine sein können!

In ca. zwei Wochen fährt mein Mann für insgesamt 11 Tage alleine nach Süd-Portugal in den Urlaub. Wenn ich gewollt hätte, hätte ich ebenfalls mitfahren können. Da ich jedoch viele Jahre dort gewohnt habe und zahlreiche Erinnerungen an diese Zeit habe, hätten mich meine Gefühle wohl regelrecht erschlagen. So bleibe ich besser alleine zu Hause und hüte Hund und Haus. Diesen Montag machte ich das während dem Therapiegespräch bei meiner Psychologin zum Thema. Denn ich habe wahnsinnige Schwierigkeiten alleine zu sein. Manchmal ist das so schlimm, dass ich mich sogar zu Hause, wenn mein Mann sich in einem anderen Zimmer befindet, alleine, beziehungsweise schon fast wie verlassen fühle.

So wirklich ungewöhnlich ist das für Borderliner nicht. Viele von uns haben Probleme mit alleine zu sein. Der Ursprung dieses Unvermögen liegt wahrscheinlich in früher Kindheit. Irgendwelche traumatischen Erfahrungen, die man damals bezüglich dem Verlassen-werden gemacht hat. Zum Beispiel, wenn eine Mutter in frühen Jahren ihr Kind vernachlässigt oder abgewiesen hat. Ein normaler erwachsener Mensch steckt solche Kindheitserfahrungen wahrscheinlich viel leichter weg. Bei Borderliner hingegen hat sich das jedoch tief in die Seele gebrannt. Borderliner in einer festen Beziehung haben deshalb oft unangemessen hohe Verlustängste.

Komischerweise haben mein Mann und ich getrennte Schlafzimmer. Das wiederum ist ganz okay für mich. Zu viel körperliche Nähe kann mir manchmal nämlich auch zu viel werden. Nur ganz alleine sein, das kann ich kaum. Dieses nicht alleine sein können, engt meinen Mann zuweilen richtig ein. Nicht selten fühlt er sich damit überfordert und behindert. Hin und wieder nimmt er es als Klammern wahr. Er meinte letzthin, dass das manchmal infantile Züge annimmt.

Die Idee zu diesem Urlaub ist ursprünglich von mir gekommen. Ich habe ihn förmlich dazu gedrängt, sich diese Reise zu buchen. Er freut sich riesig darauf. Er träumt schon lange davon. Die ganzen letzten Jahre hat er sich extrem für mich aufgeopfert. Nur schon deshalb hat er diesen Urlaub redlich verdient. Ich gönne es ihm von ganzem Herzen. Und für mich persönlich ist es ein gutes Übungsfeld mir zu beweisen, dass ich es auch mal schaffen kann, ganz alleine zu sein.

Meine Therapeutin gab mir viele hilfreiche Tipps, wie ich diese Zeit gut überstehen kann. Am wichtigsten ist, dass ich mir in dieser Zeit selbst ein zeitausfüllendes Programm erarbeite. Ich habe in dieser Zeit bereits einige Termine, die ich wahr nehmen muss. In dieser Zeit werde ich in seinem Bettchen schlafen, um ihn vom Gefühl her näher bei mir zu haben. Auch werde ich wohl in dieser Zeit mindestens drei Treffen mit meiner Betreuerin haben. Und mindestens zwei Mal will ich mich in dieser Zeit mit einem guten Freund verabreden. All diese Verabredungen und Termine werden mich hoffentlich ein bisschen ablenken und mich weniger auf dumme Gedanken bringen. Mit dummen Gedanken meine ich selbstschädigendes, selbstverletzendes, destruktives Verhalten. Einen Notfall-Plan mit wichtigen Telefonnummern habe ich auch bereits. Und jeden zweiten Tag werde ich mit meinem Mann per Webcam skypen. Das gibt mir dann das Gefühl, ihn nahe bei mir zu haben. Eigentlich bin ich für diese Zeit ziemlich gut gerüstet. Was kann denn da noch schief gehen? Es sind ja nur 11 Tage, die ich ohne mein Mann durchhalten muss. Und ganz alleine bin ich ja nicht. Mein kleines, süßes Hundemädchen ist ja immer bei mir. Sie wird meinen Mann bestimmt auch arg vermissen, denn sie hängt sehr an ihm.

Bis mein Mann in den Urlaub fährt, werde ich ihn möglichst mit meinen Ängsten vor dem Allein-sein verschonen. Ich will ihm die Vorfreude nicht versauen. Er soll unvoreingenommen und ohne schlechte Gefühle in den Urlaub fahren. Wie gesagt, ich mag ihm das von Herzen gönnen. Er hat diesen Urlaub richtig verdient. Denn die letzten paar Jahre war er beständig für mich da.

Ich liebe und vergöttere meinen Mann sehr. Ob das typische Idealisierungsphasen einer Borderlinerin sind, vermag ich an dieser Stelle nicht zu sagen. In einem Fachbuch habe ich jedoch gelesen, dass Borderliner dazu neigen, zwischen solchen Phasen und gegenteiligen Phasen der Abwertung hin und her zu wechseln. Manchmal trifft das sicherlich auch auf mich zu. Es heißt, dass während den Phasen der Idealisierung der Borderliner seinen Partner auch regelrecht spiegelt, was beim Partner den Eindruck hinterlassen kann, dass in solchen Phasen die Beziehung beinahe perfekt zu sein scheint. Das klingt seitens des Borderliner sehr berechnend, ist es aber nicht, weil das nicht mit Absicht sondern vielmehr unbewusst passiert. Böse Zungen behaupten, dass es dem Borderliner an eigener Identität fehlt und sie deshalb gerne ihre Partner spiegeln. Solche Vorurteile kann ich jedoch nur schlecht ertragen. So, nun beende ich den Eintrag für heute. Die nächsten Tage werde ich mich sicherlich wieder einmal melden.

Ganz lieben Gruß
Ruby

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Tagesstätten Platz

Vor zwei Tagen hatte ich beim Sozialamt ein Hilfeplangespräch bezüglich meines Antrags auf Wiedereingliederung. Es ging dabei nicht um eine Wiedereingliederung im Arbeitsmarkt, sondern um einen Platz in der Tagesstätte in Aurich, von welcher das Sozialamt der Kostenträger ist. Bei dem Hilfeplangespräch waren seitens des Amtes vier Personen anwesend. Eine Sozialpädagogin, eine Beamtin vom Sozialamt, jemand vom Gesundheitsamt und jemand vom sozialpsychiatrischen Dienst. Zu meiner Unterstützung hatte ich meinen Mann und ein Betreuer von der Tagesstätte mit dabei. Ich war hyper nervös und total angespannt. Denn von dem Hilfeplangespräch hing davon ab, ob ich vom Amt her überhaupt einen Platz in der Tagesstätte zugesprochen bekomme. Denn so ein Platz kostet das Sozialamt monatlich ungefähr 1000 Euro.

Während dem ganzen Gespräch habe ich mit meinem Akupressur-Igelball aus Metall geskillt. Die Sozialpädagogin leitete das Gespräch. Mir wurden viele persönliche Fragen gestellt. Meine ganzen Antworten waren offenbar zufriedenstellend. Denn am Ende des Gesprächs teilte man mir mit, dass sie den regelmäßigen Besuch in einer Tagesstätte befürworten. Mir fiel regelrecht ein Stein vom Herzen.

Bereits vor einigen Wochen habe ich einige Schnuppertage in der Auricher Tagesstätte absolviert. Die Betreuer dort sind super lieb. Auch die anderen Tagesstättenbesucher waren überaus herzlich zu mir und haben mich gut aufgenommen. Es gibt sogar einen Abhol- und Bringdienst. Ich wurde quasi direkt vor meiner Haustür abgeholt und zurück gebracht. Total praktisch. Frühstück und Mittagessen bekommen wir in der Tagesstätte. Kochen tun wir dort selbst. Es gibt dort verschiedene Aktivitäten, die man wahr nehmen kann. Theatergruppe, Holzwerkstatt, Filzwerkstatt, Küche und andere kreativen Aktivitäten. Man wird jedoch zu nichts gezwungen. Nebst her übernimmt auch jeder dort irgendwelche kleine, tägliche Dienste, die man erledigen muss.

Der Besuch in der Tagesstätte ist für mich ein kleiner Schritt, wieder ein bisschen am Leben teilzunehmen. Sozusagen ein sozial-gesellschaftlicher Wiedereinstieg, aus dem ich mich wieder ein Stück weit mehr aus meiner sozialen Isolation befreie. Denn meine Borderline Erkrankung hat dazu geführt, dass ich mich von Jahr zu Jahr sozial immer weiter isoliert habe. Teilweise ist daraus eine regelrechte Sozialphobie entstanden, eine Angst vor anderen Mitmenschen. Das führte dazu, dass mir vor lauter Angst und Panik selbst ein Kaffee-Besuch oder ein Einkauf im Supermarkt buchstäblich Schweißperlen auf die Stirn treibt. In der Tagesstätte habe ich künftig das optimale Übungsfeld, um den Umgang im zwischenmenschlichen Bereich wieder zu üben. Außerdem verhilft mir der Besuch in der Tagesstätte auch wieder zu einer vernünftigen Tagesstruktur. Voraussichtlich werde ich im Januar 2018 in der Tagesstätte beginnen. Ein bisschen freue ich mich sogar darauf.

Vom Versorgungsamt her habe ich derweilen einen Schwerstbehinderten-Ausweis mit einem Grad der Behinderung von 80 ausgestellt bekommen. Dieser hohe Behinderungsgrad kommt jedoch nicht alleine aufgrund meine Borderline-Erkrankung zustande, sondern setzt sich aus einer Vielzahl von Diagnosen zusammen. Für die Borderline-Erkrankung selbst bekommt man in der Regel einen GdB zwischen 30 bis 50 zugesprochen. Ehrlich gesagt komme ich mir aber gar nicht so schwerstbehindert vor. Vielmehr ist es einfach nur eine amtliche Anerkennung auf meine Handicaps.

So, nun muss ich noch ein bisschen was im Haushalt machen und dann bald schon wieder kochen. Heute gibt es bei uns frische Pfifferlinge mit Süßkartoffeln. Darauf freue ich mich schon sehr.

Mit lieben Gruß
Ruby

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Mandalas ausmalen-Achtsamkeit

Achtsamkeit ist das Fundament der Dialektisch-Behavioralen Borderline Therapie. Achtsamkeit bedeutet, ganz im Hier und Jetzt zu sein. Achtsamkeit wird unterteilt in Was-Fertigkeiten und Wie-Fertigkeiten. Was Fertigkeiten sind diejenigen Fertigkeiten, die uns aufzeigen, was genau wir voller Achtsamkeit tun können: Wahrnehmen, Beschreiben und Teilnehmen. Und die Wie-Fertigkeiten zeigen uns, wie wir das zu bewerkstelligen haben: Mit einer annehmenden Haltung, konzentriert und wirkungsvoll (zum richtigen Zeitpunkt).

Ich suche immer wieder nach neuen Achtsamkeitsübungen, mit denen ich Achtsamkeit üben kann. Man sollte täglich Achtsamkeitsübungen machen. Denn nur so bringt das uns auf Dauer etwas. Das Gehirn muss darauf erst konditioniert und neu verschaltet werden. Man geht davon aus, dass es mindestens fünf Wochen dauert, bis die Achtsamkeitsübungen in Form eines achtsameren Lebens wirklich Früchte tragen. Meist dauert es jedoch länger. Man braucht dafür also reichlich Geduld. Üben, üben, üben…

Mein Tagebuch zu schreiben könnte ebenfalls als eine Achtsamkeitsübung gewertet werden. Es würde dann zur Was-Fertigkeit „Teilnehmen“ gezählt werden. Genauso das Spielen eines Instrumentes. Sogar putzen lässt sich voller Achtsamkeit. Ich male gerne Mandalas aus oder betätige mich auch sonst gerne kreativ. Mandalas zu malen beruhigt mich enorm. Und das Schöne daran ist, dass man danach auch immer etwas zum angucken hat.

Die Mandalas male ich entweder mit normalen Buntstiften oder mit Fine-Liners. Die Fine-Liner gefallen mit besser, weil dann die Farben viel intensiver wirken, wie man nur unschwer an folgendem Mandala erkennt, das ich erst vor kurzem fertig gestellt habe. Mir gefällt es.

Mit liebem Gruß
Ruby
Mandala by Ruby

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Hunde sind glücklicher!

Heute werde ich hier in meinem Tagebuch meine kleine Mitbewohnerin vorstellen. Mein kleines Yorki Mädchen. In ihr fließt auch noch ein bisschen Lhasa-Apso Blut. Insgesamt wiegt sie nur 2,4 Kilo, ein richtiges Fliegengewicht. Und sie ist kleiner als jede Katze. Wir haben sie am 29. Dezember 2016 als Welpe bekommen. Das folgende Foto entstand am zweiten oder dritten Tag bei uns zu Hause:
Rubi als Welpe
Seither sind einige Monate vergangen.
Das nächste Foto zeigt sie im Frühjahr 2017:
Rubi im Frühjahr
Und das letzte Foto ist diesen Sommer entstanden. Sie ist nun schon vollständig ausgewachsen und hat auch bereits ihre erste Läufigkeit hinter sich:
Rubi Anfang Juli

Der Name meines Yorky Mädchens lautet ebenfalls Rubi, angelehnt an mein Internet Pseudonym, aber mit „i“ geschrieben. Eigentlich wollte ich sie Bonnie taufen. Aber meinem Mann gefällt mein Internetname Ruby so gut, dass er sie gerne ebenfalls so nennen wollte. Und nun heißt sie halt Rubi mit „i“ geschrieben. 🙂 Das bindet sie schlussendlich noch mehr an mich. Ich bin ihre Mama und mein Mann der Papa. Sie ist für uns wie ein Kindchen. Unser Prinzesschen. Das kann nur ein Hundenarr verstehen.

Rubi ist mein bester Skill überhaupt. Sie bringt mich immer runter. Und sie ist so niedlich, so unheimlich süß. Sie löst in mir wahnsinnig schöne, warme Gefühle aus. Ich bin auch ein bisschen stolz, dass ich mit ihr mein Leben teilen darf. Rubi kann ich eigentlich überall mitnehmen. Ich beobachte sie auch unheimlich gerne. Sie ist so unkompliziert, beschäftigt sich auch gerne alleine mit sich selbst. Hunde sind total achtsame Wesen. Sie leben voll und ganz im Hier und Jetzt. Unser Kopf ist meist mit allerlei belastenden Gedanken beschäftigt. Hunde belasten sich hingegen nicht mit solchem Kram. Sie konzentrieren sich viel mehr auf den Moment. Wisst Ihr, weshalb Hunde im allgemeinen glücklicher sind, als wir Menschen? Ich zeige es Euch:
Hunde sind glücklicher als Menschen

Lieben Gruß
Ruby

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Medikamentenumstellung

Derzeit geht es mir nicht so prächtig, denn momentan werde ich in der Klinik auf neue Medikamente eingestellt, während die Alten langsam abgesetzt werden. Die 45mg Mirtazapin wurden bereits vollständig ausgeschlichen. Und von meiner Tagesdosis von 800mg Quetiapin bin ich bereits auf einer Minidosis von 50mg herunter dosiert. Anstelle des Antidepressivum Mirtazapin bekomme ich nun jeden Morgen 150mg des Antidepressivums Venlafaxin. Und anstelle des Neuroleptikums Quetiapin nehme ich derzeit 300mg Solian (Amisulprid), ebenfalls ein Neuroleptikum. Das sorgt für allerlei Absetzsymptome. Mein Nervengerüst ist arg angeknackst. Innerlich fühle ich mich ziemlich unruhig und wenig belastbar. Körperliche Symptome zeigen sich in Form von Schüttelfrost, kaltem Schweiß und Zittern. Alles nicht sehr angenehm. Aber bald habe ich es hinter mir. Dennoch kommen mir die Absetzsymptome wie Entzugserscheinungen vor. Es ärgert mich, dass diese Entzugserscheinungen von Fachleuten und Pharmalobby als Absetzsymptome verklärt werden. Mir kommt das ein bisschen wie verharmlosen vor.

Wie gesagt, meine nervliche Belastung funktioniert derzeit nur auf Sparflamme. Laute Stimmen und Geräusche vertrage ich kaum. Auch die Landschulheim Atmosphäre meiner teilweise sehr jungen Mitpatienten geht mir manchmal gehörig auf die Nerven. Beständig lautes Giggeln und Lachen machen mich fast kirre. Ehrlich gesagt finde ich den Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik nicht so amüsant, als dass ich mich dem anschließen könnte. Manchmal nervt es einfach nur noch.

Aber am kommenden Dienstag ist mein stationärer Monat bereits vorbei. So lange werde ich es noch aushalten, keine Frage. Dann beginnt eine längere Erprobungsphase bei mir zu Hause. Die ersten Wochen werde ich wieder von einer ambulant psychiatrischen Fachpflege betreut. Mein Wiedereingliederungsantrag für die Tagesstätte in Aurich habe ich bereits zum Sozialamt in Norden geschickt. Eine Verordnung für Ergotherapie in der Klinik habe ich mir ebenfalls wieder organisiert. Gleich nach der Entlassung am Dienstag werde ich mich mit meinen Entlassungspapieren zwei Häuser weiter bei der psychiatrischen Institutsambulanz vorstellig machen. Dort habe ich dann einen kurzen Termin bei meiner Psychiaterin, die mir dann auch gleich ein Rezept für die neuen Psychopharmakas ausstellen wird. Dann geht es ab nach Hause. Der Monat in der Klinik ist echt schnell vorbei gegangen. Hätte ich anfangs nicht gedacht.

Die Therapie hat mir wieder viel gebracht. Die dialektisch Behaviorale Therapie ist wie für mich gemacht. Ich spreche unheimlich gut darauf an. All das Gelernte betrachte ich als Chance, wieder mehr Lebensqualität zu erlangen und trotz meiner Borderline-Erkrankung ein halbwegs vernünftiges Leben führen zu können.

Die ambulante Skillsgruppe in der PIA werde ich auch weiterhin besuchen. Und in wenigen Monaten werde ich dann mein letztes stationäre DBT Modul beginnen. Für die Wiederaufnahme habe ich mich fürs nächste Modul als Tagesklinikpatientin beworben, also dieses Mal nur teilstationär. Ich muss dann jeweils um 8 Uhr früh in der Klinik sein und kann dann jeden Abend um 16.30 Uhr wieder nach Hause fahren. Damit will ich Abends diesem pubertärem Landschulheim Klima ein bisschen entkommen. Denn das ist definitiv nichts für mich, zumal es nur dazu führt, dass ich mich sozial zurück ziehe. Diesen stationären Aufenthalt habe ich schlussendlich mit dem Skill „radikale Akzeptanz“ so gut überstanden. Es ist halt so, wie es ist und lässt sich nicht wirklich ändern. Ich bin froh, dass ich mich einfach voll und ganz auf die Therapie konzentriert habe. Um mich noch einmal zu wiederholen; ich bin ja nicht in einem Landschulheim, sondern in Therapie. Mir ist dabei auch egal, ob das ein Teil meiner Mitpatienten anders sieht. Denn ich weiß, die Therapie ist für mich eine Chance auf ein besseres Leben und eine wirkliche Zukunft.

Ich könnte noch mehr erzählen, belasse es aber für heute bei diesem Eintrag hier,

Ganz lieben Gruß
Ruby

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Lebenszeichen aus der Klinik

Mittlerweile habe ich mich wieder richtig gut in der Klinik eingelebt. Meine Ängste und Unsicherheiten halten sich nun einigermaßen im Zaum. Sie sind zwar noch da, halten sich aber in Grenzen.

Ich befinde mich derzeit in der dritten Therapiewoche meines zweiten stationären DBT-Moduls. Nächste Woche, am Mittwoch, werde ich bereits wieder entlassen. Die dialektisch-Behaviorale Therapie ist mein Ding. Ich lerne unheimlich viele nützliche Dinge und versuche so viel wie möglich für mich mitzunehmen.

Derzeit bearbeiten wir während den Skillsgruppen das Modul „Umgang mit Gefühlen“. Ein sehr schwieriges Thema. Oft geht es um Glaubenssätze und Grundannahmen der Vergangenheit, die mein Leben leider immer noch weitgehend mitbestimmen, obwohl sie für mich in der jetzigen Gegenwart nicht immer sinnvoll sind. Ich lerne sie nun langsam immer besser zu erkennen. Hilfreich dabei ist entgegengesetzte Wahrnehmung, entgegengesetztes Denken, entgegengesetzte Körperhaltung und entgegengesetztes Handeln.

Mit meinen anderen Mitpatienten komme ich, wider meiner Erwartung, ganz gut klar. Manchmal geht mir jedoch die Landschulheim Atmosphäre auf den Geist. Dann wird mir alles zu viel. Ich ziehe mich dann gerne zurück. Sicherlich kann das nicht jeder meiner Mitpatienten verstehen, wie ich zuweilen an den Reaktionen zu erkennen meine. Vielleicht ist das aber auch nur Einbildung. Dafür konzentriere ich mich aufs Wesentliche, die Therapie. Deswegen bin ich ja schließlich auch in der Klinik und nicht, weil es mir hier so viel Spaß macht.

Vom Team werde ich aufgrund meiner eigenen Mitarbeit oft gelobt. Leider kann ich mit Lob nur sehr schlecht umgehen. Lob löst bei mir fast das gleiche Schamgefühl aus, wie wenn ich einen Fehler mache oder irgendwie ins Fettnäpfchen trete. Ich kann auch nur wenig Stolz empfinden, wenn ich gelobt werde. Vielmehr ist es mir eher unangenehm. Mein kleiner Hang zum Perfektionismus sorgt dafür, dass ich nie endgültig mit mir zufrieden bin. Mir fehlt es wohl auch an Selbstwertgefühl. Dieses Manko wird bei meinem nächsten DBT-Klinikaufenthalt erst richtig bearbeitet werden. Dann ist das Modul „Selbstwert“ dran.

Wie gesagt, während dem jetzigen Aufenthalt wird das Augenmerk eher auf das Modul „Umgang mit Gefühlen“ stehen. Und auch auf „zwischenmenschliche Fertigkeiten“, bei denen wir bereits intensiv das Validieren im Gespräch mit anderen und mit sich selbst geübt haben. Validieren ist ein wertschätzender Umgang im Gespräch, bei der man seinem Gegenüber zu verstehen gibt, dass man seine subjektive Sichtweise nachvollziehen kann, ohne aber seine Sichtweise unbedingt zu übernehmen. Man sendet dabei auch häufig Ich-Botschaften aus. Ein Gespräch läuft dann weniger Gefahr, komplett aus dem Ruder zu laufen. Das Gegenteil von validierend wäre dann wohl invalidierend, also eine invalide Art und Weise, ein Gespräch zu führen. Viele Menschen validieren im Gespräch jedoch nicht zurück. Das macht es dann manchmal schwierig. Es gibt jedoch kein Grund, nicht dennoch validierend zu bleiben. Denn so erreicht man eher was, als wenn man impulsiv, angreifend und ohne Wertschätzung reagiert. Um das Validieren zu üben, hat man in der Klinik das optimal geschützte Übungsfeld. Irgendwann geht es richtig ins Blut über. Wie sagt man so schön; Übung macht den Meister. Sich selbst zu validieren ist fast noch schwieriger. Dafür braucht man einen fairen Blick auf sich selbst.

Im Anschluss zu diesem Beitrag veröffentliche ich eine Luftansicht der Karl Jaspers Klinik. Dann seht Ihr mal, wie schön die Klinik im Grunde genommen gelegen ist. Es kommt mir manchmal vor, als ob wir inmitten einer riesigen Parkanlage hausen.

Auf dem Gelände gibt es viele Tiere zu sehen. Eichhörnchen, Enten, Pfauen, Kaninchen, Hühner, Schafe, Ziegen, Schweine und Pferde, um einige aufzuzählen. Jeden Dienstag Abend und jeden Donnerstag Abend kommt mich mein Mann besuchen. Manchmal nimmt er mein kleines Hundemädchen mit. Von meinem Hund habe ich, glaube ich, in meinem Blog noch nie erzählt. Wir teilen unser Leben nämlich mit einem kleinen Yorki-Mädchen. Sie ist erst neun Monate alt, aber bereits ausgewachsen, wiegt insgesamt nur 2,4 Kilo. Ein richtig kleines, zartes, liebenswertes Geschöpf, das mir unheimlich viel Freude bereitet. Sie ist mein bester Skill überhaupt. Sie schafft es sogar, mich wieder ein bisschen auf den Teppich zu bringen, wenn ich mal wieder in Hochanspannung gerate. Ich möchte sie nicht mehr missen. Ich werde sie in einem meiner nächsten Beiträge anhand von Fotos ein bisschen näher vorstellen. Aber erst einmal war es das für heute von mir. So viel Zeit habe ich nämlich gar nicht, während meinem Klinikaufenthalt im Internet zu verbringen. Deshalb melde ich mich auch so selten.

Mit liebem Gruß,
Eure Ruby

P.S. jetzt kommt das versprochene Luftbild der Karl Jaspers Klinik
Karl Jaspers Klinik in Wehnen, Luftansicht

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Erster Tag in der Klinik

Seit heute bin ich wieder in der Klinik. Es geht mir mehr als nur bescheiden. Ich fühle mich wie ein nervliches Wrack und stehe unter extremer Hochspannung. Am liebsten würde ich wieder meine Sachen packen und dann ab nach Hause. Aber ich bleibe und schaue, ob es morgen vielleicht ein bisschen besser geht. Ich versuche bis zum Wochenende zu bleiben. Samstag morgen darf ich dann bis Sonntag Abend nach Hause. Mit meinem Mann habe ich darüber bereits am Telefon gesprochen. Ich vermisse ihn jetzt schon sehr. Auch meine kleine Hundedame, ein Yorki-Mädchen, vermisse ich über alles. Sie ist für mich wie mein Kind. Ich liebe sie über alles. Ich fühle mich so elend. Könnte nur noch heulen. Es wird mir alles zu viel.

Heute hatte ich etliche Aufnahmegespräche. Erst mit der Stationsschwester, dann mit einer Ärztin und zwei Praktikanten, danach noch ein Gespräch mit der neuen Oberärztin. Die Oberärztin bat ich darum, meine Medikation umzustellen. Daraufhin wollte sie mir das Neuroleptikum Abilify verordnen. Aber das kann ich nicht nehmen. Denn das verursacht als Nebenwirkung Haarausfall. Ich kenne keine Frau, die das einfach so hinnehmen würde. Lieber schlucke ich weiterhin Quetiapin, bevor ich ein Medikament nehme, das Haarausfall verursacht. Die Oberärztin fährt nun sowieso für zwei Wochen in den Urlaub. Davor werde ich mit den Medikamenten nicht mehr umgestellt. Bestenfalls in drei Wochen, wenn sie aus dem Urlaub wieder zurück ist. Alles sehr unbefriedigend.

Meine Zimmernachbarin kenne ich bereits aus dem ersten DBT Modul. Leider ist sie nur noch bis morgen hier. Dann bekomme ich eine neue Zimmernachbarin. Davor habe ich jetzt schon mächtig Angst.

Ich melde mich heute nur kurz. Ich weiß auch noch nicht genau, ob ich mich die nächsten Tage in meinem Blog melden kann.

Ich werde heute wohl schon früh ins Bett gehen. Denn morgen fängt der Therapiealltag erst richtig an. Dafür muss ich fit und ausgeruht sein. Ich befürchte jedoch, dass ich heute eine miese Nacht verbringen werde. Denn aus Erfahrung weiß ich, dass meine Schlafstörungen in der Klinik in der Regel schlimmer werden. Davor habe ich jetzt schon richtig Horror.

Ganz lieben Gruß
Ruby

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Ab in die Psychiatrie

Ab morgen bin ich wieder für ein paar Wochen in der Psychiatrie. Dann beginnt mein zweites stationäre Modul der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT). Meine Koffer sind bereits gepackt. Es kommt wieder elend viel Gepäck zusammen, zumal ich dazu neige, jeweils viel zu viel mitzunehmen. Aber lieber zu viel, als zu wenig. Ich nehme sogar eigenes Bettzeugs, Bettlaken und Kopfkissen mit, damit ich mich zumindest in meinem Klinik Schlafzimmer ein bisschen wohler fühle.

Bereits seit Tagen drehe ich wegen diesem kommenden Aufenthalt vollständig am Rad. Ich habe extrem viel Angst vor der Zeit in der Klinik. Die letzten Tage konnte ich nicht mehr richtig schlafen. Mein Körper reagiert mit allerlei psychosomatischen Symptomen. Von Bauchkrämpfen, Übelkeit bis zur hämmernden Migräne ist alles dabei. Angst habe ich vorwiegend vor den Menschen dort und weniger vor dem eigentlichen Therapieinhalt. Angst davor, ausgegrenzt oder aufgrund meiner Person gar gemobbt zu werden. Mein erster stationäre DBT Aufenthalt war leider nicht frei von solchen Erlebnissen.

Die Therapie ist ebenfalls ziemlich anspruchsvoll. Sie fordert mich sehr. Der Wochenplan ist ziemlich gestopft. Jeder Patient bekommt zu Anfang eine Bezugspflege zugeteilt. Und einen Therapeuten für die Einzeltherapiegespräche. Tagsüber finden dann alle möglichen Gruppen statt, Achtsamkeitsgruppe, Info- und Basisgruppe und die Skillsgruppen. Die Teilnahme aller Gruppen wird erwünscht. Das wird von der eigenen Therapiebereitschaft her so erwartet. Es sind also mehr oder weniger Pflichttermine. Zusätzlich gibt es Bewegungstherapie. Das ist schlussendlich nichts anderes als Sport. Und auch noch Körperskillsgruppe. Das ist eine leichte Version von Sport. Es geht dabei wohl in erster Linie darum, wieder ein richtiges Gefühl zum eigenen Körper zu bekommen. Des Weiteren sind wir zwei Mal wöchentlich in der Holzwerkstatt. Bei dem gleichen Ergo Therapeuten war ich die letzten Wochen auch ambulant zur Ergotherapie. Holzwerkstatt ist quasi unsere Ergotherapie. Und einmal wöchentlich sind wir in der Skills-Werkstatt. Dort basteln wir Skills, oder einen Skillskoffer usw… So einen Skillskoffer habe ich mir beim letzten Modul gebastelt. Im Anschluss an dieses Postings veröffentliche Fotos davon.

Am Freitagmorgen ist jeweils Arztvisite. Bei diesem Termin wird man einzeln in ein Büro gerufen, in dem sich das komplette Therapeuten-Team befindet. Im empfinde diesen Termin jeweils als unheimlich stressig.Für gewöhnlich bin ich dann höllisch nervös.

Samstagmorgen bis Sonntagabend dürfen wir nach Hause. Leider kann man sich zu Hause nicht wirklich erholen, zumal man sich bereits wieder für die nächste Woche vorbereiten muss. Wäsche muss zum Beispiel gemacht werden. Und zu Hause bleibt ja unter der Woche auch immer ein bisschen die Arbeit stehen. Besser wäre es, wenn man bereits am Freitagabend nach Hause dürfte. Dann wär das wenigstens ein richtiges Wochenende. Diskussionen darüber führen jedoch ins Nichts. Aufgrund der Kostenabrechnung will das die Klinik wohl nicht ändern. Um radikale Akzeptanz kommt man bei diesem Thema nicht herum.

Ich habe ja so viel Schiss vor der Therapie. Obwohl ich den Ablauf schon kenne und bereits ein Modul erfolgreich beendet habe. Am liebsten würde ich davor flüchten, mich tief irgendwo in der Pampa verstecken. Oder am besten gleich auf einen anderen Planeten.

„Radikale Akzeptanz“ wird in der DBT als Skill gezählt. „Radikale Akzeptanz“, „innere Bereitschaft“ und „Entscheidung für einen neuen Weg“ sind alles Skills aus dem Stresstoleranzbereich, die ich derzeit versuche anzuwenden. Hinzu kommt ein richtig wichtiger Skill aus dem Bereich „Umgang mit Gefühlen“. Dieser Skill nennt sich „entgegengesetztes Handeln“. Er spricht für sich, bedarf keiner Erklärung.

Wäre ich mir dieser Skills nicht bewusst, würde ich mich wohl vor dem morgigen Tag drücken, oder die DBT sogar ganz sausen lassen. Ich habe dennoch unheimlich viel Schiss vor morgen. Vielleicht werde ich diesen Blog während dieser Zeit dafür nutzen, um hin und wieder aus der Klinik zu berichten. Erst einmal belasse ich es bei diesem Posting hier. Im Anschluss an dieses Posting kommt nun also, wie versprochen, noch ein Foto von meinem Skillkoffer, den ich bei meinem letzten stationären DBT Aufenthalt in der Skillswerkstatt gebastelt habe.

alles Liebe
Ruby

Skillskoffer

Skillskoffer selbst gebastelt

Skillskoffer Rückseite

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